Mein 2015

Es gehört dazu. Der Jahresrückblick. Macht man so. Dann mach ich das auch mal so. Dachte ich mir. Und sah das erstmal als minimales Pflichtprogramm an, was ja sonst nicht meine Art ist. Aber je mehr ich darüber nachdachte, was ich so schreiben könnte, merkte ich, das sich hier für mich eine Chance anbahnte.

Ich lebe sehr intensiv. Bin ein energiegeladener Mensch. Und da ist es für mich besonders wertvoll einmal innezuhalten und an das nun fast vergangene Jahr zu denken. Genauso wie 2014 mit meiner Schwangerschaft und der Geburt des kleinen Puck war nämlich auch 2015 ein Jahr mit ganz viel Neuland. Ich habe beschlossen, nachdem ich das schon des Öfteren gesehen habe und mir das gut gefällt, dabei monatsweise vorzugehen. Brauchen ja immer schön Struktur die guten Lehrer. Und, wie der Titel schon sagt, geht es hier um MEIN 2015. SEIN 2015 folgt.

Los gehts.

Januar

Das Jahr startete in Hessen. Der Heimat meines Mannes. Wir wohnten zu diesem Zeitpunkt noch bei meinen Eltern, nachdem wir 2014 aus Bayern in den Norden zogen. Wir wollten erstmal die Geburt über die Bühne bringen und dann in Ruhe eine Wohnung suchen. Die paar Tage Auszeit zu dritt waren da willkommen. So lieb es von meinen Eltern war, uns aufzunehmen. Mit 28 will man einfach nicht mehr zu Hause wohnen. Ich habe außerdem den offiziellen Versetzungsantrag (beruflich) gestellt. Meine Rückbildung startet.

Februar

Mein Mann feiert Geburtstag. Der Puck und ich beginnen einen PEKIP-Kurs. Ich gehe mehr und mehr aus dem Haus, da ich nicht mehr nur ununterbrochen stille. Ich reise mit dem Puck das erste Mal ganz alleine. Erst nach Nürnberg, dann über Regensburg nach Passau. Eine ganze Woche sind wir unterwegs, fahren ICE und besuchen Freunde. Wundervolle Erinnerungen.

März

Wir finden eine Wohnung. Im Nachhinein hätten wir uns doch noch mehr Zeit für die Suche lassen sollen. Die Gegend ist doch nicht so ganz das Richtige für uns, die Nachbarschaft auch etwas eigen. Nun ja. Blauäugig damals. Wir wollten halt schnell wieder in die eigenen vier Wände. Ich gerate des Öfteren mit meiner Mutter aneinander. Hauptsächlich wird unser Eheleben und meine Art als Mutter kritisiert. Ich bin zu soft. Was immer das heißen mag. Lasse mich davon nicht unterkriegen und bereite meinen Eltern eine pompöse Feier anlässlich ihrer Silberhochzeit. Manage den gesamten Tag, inkl. Zeitungsannonce, Hochzeitszeitung, musikalischen Darbietung (auch in eigener Sache) und vielen tollen Beiträgen. Der Puck immer mit dabei. In die Trage gekuschelt.

April

 

Wir ziehen um. Umziehen mit einem 6 Monate alten Baby ist eine Geduldsprobe. Herrje, war das anstrengend. Die Firmengründung des Mannes nimmt neue Formen an. Zwei Firmen werden zusammengelegt und es wird klar, dass er nicht viel zu unserem Einkommen wird beitragen können. Ich muss Vollzeit beantragen. Ich bin wütend, enttäuscht und habe das Gefühl, alles allein bewältigen zu müssen. Eine schwierige Zeit als Paar beginnt.

Mai

Wir sind in den eigene vier Wänden angekommen und merken aber sehr schnell, dass unsere Wahl nicht die beste war. Hohe Miete. Langweilige Gegend. Ich versuche oft rauszukommen, treffe andere Mütter. Genieße einen tollen PEKIP-Kurs. Erste Stillmahlzeiten werden ersetzt. Völlig neues Gefühl. Wir verzweifeln total bei der Suche nach einer Betreuung für den Puck. Ich bin sehr anspruchsvoll, blutet mir doch das Herz bei dem Gedanken, in abgeben zu müssen. Unter anderem die Wut darüber, nicht flexibel mich doch noch ein weiteres Jahr dem Mama-Sein widmen zu können, überschattet unsere Beziehung. Also unsere Ehe.

Juni

Obwohl seit der Geburt des Pucks alle in Frage kommenden Adressen für die Betreuung unseres Sohnes abgeklappert haben, waren wir oft auf Wartelistenplätzen jenseits der 200. Wir wurden ausgelacht dafür, dass wir uns nicht schon während der Schwangerschaft angemeldet hatten. Bitte? Verrückte Welt. Mir ist das Bewerben und Anpreisen meines Babys zuwider. Einrichtungen, die das erfordern, versuche ich zu meiden. Mit einem Mal ein Hoffnungsschimmer. Eines Tagesmama nimmt noch Anmeldungen an. Wir sind sofort zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ich verliebe mich spontan. In die herzensgute Frau/Omi. Die da völlig entspannt sitzt und plaudert. Die uns erklärt, sie bastelt nicht oder kaum mit den Kleinen (deutlich unter 3), sie lässt sie spielen miteinander. Sie tanzt zu Kinderliedern und geht jeden Tag raus. Es gibt ganz normales ausgewogenes Essen. Und sie nimmt jedes Kind wie es ist. Und wenn es viel Nähe braucht, na dann wird eben getragen. Passt. Wir beten. Und bekommen einen Platz. Ich verdrücke Tränchen.

Juli

Die Eingewöhnung beginnt. Die Tagesomi setzt auf obersanft. Ganz, ganz viel Zeit lassen und schon Wochen vorher beginnen. Mit einem, manchmal zwei Terminen in der Woche. Mit Mama zum Spielen. So dankbar ich für diese tolle Frau bin, so leide ich still vor mich hin. Ich fühle mich als absolute Rabenmutter. Lese tausend Studien über die furchtbaren Folgen eines zu frühen Abgebens. Das passt nicht in mein Bild von Urvertrauen. Und doch hab ich keine Wahl. Hatte ich die Wut erwähnt? Mein Mann bekommt (leider) viel zu hören. Ich lerne außerdem meine neue Schule kennen. Netter erster Eindruck.

August

Familienurlaub an der Ostsee. Eine Woche nur wir. Unfassbar wertvoll. Der Puck und sein Papa finden mehr und mehr eine Ebene. Ich bin sehr glücklich. Und aufgeregt, weil ich weiß, dass bald die Zeit der konkreten Eingewöhnung und Trennung beginnt. Kriege heute noch Bauchweh, wenn ich daran denke.

September

Die Eingewöhnung verlief soweit erfolgreich. Die Tagesomi hat den Kleinen so gut aufgefangen. Er schlief ja z.B. noch nicht alleine ein. Das hat sie einfach so hingenommen und sich danach gerichtet. Die Zauberhafte.Ich beginne zu arbeiten. Mit voller Stundenzahl. Working Mom. Aber total. Es ist anstrengend und ich brauche ein paar Wochen um mich reinzufinden. Der Puck macht alles super mit und zeigt keinerlei Veränderung. Also im Negativen. Ich werde etwas ruhiger. Der Puck feiert seinen ersten Geburtstag. Mein kleiner, großer Liebling.

Oktober

Mein Geburtstag. Noch im Zwanziger. Wir alle sind im Alltag angekommen. Ich kämpfe tagtäglich mit schlechtem Gewissen. Aber vermutlich unnötig. Zuhause mache ich alles wie immer. Absolut bedürfnisorientiert. Der Kleine hat seine Tagesomi als weitere Bezugsperson absolut akzeptiert. Ich selbst begehe diesen neuen Abschnitt und lasse mir eine Kurzhaarfrisur verpassen. Ich finde neue  Freunde im Kollegium. Ich merke doch, dass ich deutlich über dem Limit arbeite. Also beruflich wie privat. Es ist für eine Zeit zu bewältigen, aber jahrelang wird das nicht gehen. Mein Mann und ich nähern uns wieder an. Nach abertausenden schonungslosen Gesprächen.

November

Die “schlechten Zeiten” haben wir erstmal gepackt. Der Puck ist glücklich. Die Firma geht voran. Es kribbelt wieder und der Wunsch nach einem zweiten Kind wird immer stärker. Mein Mann und ich wissen, dass wir einiges überstehen. Wir beginnen wieder mit der Wohnungssuche. Ab in das Szene-Familienviertel.

Dezember

Mein Körper streikt ein bisschen angesichts des Belastungsgrades. Wir versuchen in Zukunft mehr Entlastungspunkte zu schaffen. Projekt Mini-Puck startet. Ich genieße meine zweite und diesmal viel bewusstere Advents- und Weihnachtszeit als Mama.

Und genauso wie 2014 bin ich dankbar und unendlich glücklich über all die neuen Erfahrungen. Gute wie schlechte. Sie gehören dazu. Ich liebe meinen Sohn und das Mama-Sein mehr als ich mir jemals hätte ausmalen können. Und wer weiß, vielleicht habe ich schon 2016 das Glück, mich dieser Rolle wieder sehr intensiv zu widmen.

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