Halbzeit

Das erste Halbjahr ist geschafft. Gestern gab es Zeugnisse. Gefolgt von einem verlängerten Wochenende, das ich wirklich gut gebrauchen kann.

Wie ist der Stand der Dinge ein knappes halbes Jahr (genauer 5 Monate) nach meinen beruflichen Wiedereinstieg? Turbulent, anstrengend, befriedigend, organisiert. Alles treffende Beschreibungen.

Wir haben uns arrangiert, würde ich sagen.Die ersten Wochen waren nicht leicht. Da war mein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Sohn, den ich mit einem Jahr schon in die Fremdbetreuung geben musste. Da war die neue Schule, die neuen Kollegen, neue Kinder. Da war die Vollzeit. Ich musste mich rantasten. Kann ich meinen Qualitätsanspruch halten? Was ist wichtig? Was kann in den Hintergrund rücken? Es wird nicht viel Zeit für mich geben. Wie schaffe ich mir kleine Oasen?

Mit der Zeit spielte sich alles ein. Der Puck ging und geht wirklich sehr gern zu seiner Tagesomi, die ihn absolut liebevoll aufgefangen hat und mir genügend Sicherheit gab, damit ich mich auf meine beruflichen Anforderungen konzentrieren konnte. Ich merkte, dass ich nach wie vor gut in meinem Job bin. Dass ich die Ansprüche erfüllen kann und in der Lage bin, die richtigen Prioritäten zu setzen. Das sind mein Unterricht, die Elternarbeit und meine Kiddies. Ich habe das Glück, dass mir dieser Beruf liegt. Das hilft ungemein, um meinem Pensum gerecht zu werden.

Ich habe ein tolles Kollegium. Ich habe dort wirklich neue Freundinnen gefunden. Nur eine Person gönnt es mir leider nicht so recht, dass ich bisher alles halbwegs gut gebacken kriege. Dabei gebe ich nicht an oder produziere mich. Ich habe eigentlich fast immer gute Laune in der Schule. Warum auch nicht? Ich gebe aber auch ehrlich zu, wenn ich erschöpft bin. Besagter Person fällt das Gönnen allerdings prinzipiell schwer. Sie ist auf den eigenen Vorteil bedacht, immer gestresst und setzt seltsame Schwerpunkte. Nun gut, jedem das Seine. Aber leider “testet” sie mich unterbewusst ein wenig. Frei nach dem Motto: “Irgendwann muss sie doch mal aufgeben!” wird mir zusätzlich zu meiner vollen Stelle noch anderes aufgebrummt. Das ist schade und traurig. Zieht mich aber nicht runter. Ich bin respektvoll und nehme die Dinge, wie sie kommen. Nur wenn es ungerecht wird, habe ich gelernt, das auch offen anzusprechen. Ich glaube, im Leben hat alles seinen Sinn. Und vielleicht sollte ich genau diese Kollegin treffen, um mutiger zu werden und für mich einzustehen. Denn in der Regel gebe ich eher nach. Um des Friedens Willen.

Lehrer müssen sich ja immer für ihren vermeintlichen “Halbtagsjob” rechtfertigen. Schulzeit ist nun mal häufig bis 13 Uhr – 14 Uhr. Auch mir ermöglicht dieser Beruf eine volle Stelle, bei der ich dennoch um 13.45 Uhr das Schulgebäude verlassen kann, um zu meinem Sohn zu eilen. Aber meine Arbeit ist deshalb nicht fertig. Abends, wenn der Puck schläft, muss ich wieder an den Schreibtisch. Konzipieren, Korrigieren, Elternbriefe schreiben etc. Nicht selten gibt es außerdem Dienstbesprechungen, Elternabende, Konferenzen, Fortbildungen. In dieser Zeit muss ich meinen Kleinen gut betreut wissen. In den Ferien muss ich Liegengebliebenes wegarbeiten und die nächsten Wochen planen. Ich jammere nicht. Das bringt dieser Beruf eben so mit sich und das ist auch in anderen Berufen keine Seltenheit. Aber das Wort Halbtagsjob lässt mich halt immer etwas allergisch reagieren.

Nun, was wollte ich eigentlich? Ach ja. Die Halbzeit. Ich denke, wir machen das ganz gut. Es gibt stressigere und ruhigere Phasen. Es gibt Tage, da glaube ich, ich kriege gar nichts auf die Reihe und an anderen Tagen, da bin ich durchaus stolz auf das, was ich geleistet habe. Das muss auch sein. Bei all diesem Trubel braucht es Anerkennung. Natürlich. Und zwar am meisten die eigene. Auf die Anerkennung anderer angewiesen zu sein oder darauf zu warten, ist einfach heikel und kann sogar krank machen. Ich versuche darauf zu vertrauen, dass das was ich tue, ausreicht. Für meine Kollegen, meine Kiddies, meinem Mann, für mich und vor allem für meinen Sohn. Der nach wie vor ganz prächtig gedeiht und mein (selbstverständlich) vorhandenes schlechtes Gewissen dadurch wenigstens immer mal wieder zur Seite lacht. Der Sonnenschein.

Irgendwie ein wuseliger Beitrag. Alles in allem wollte ich wohl bloß sagen, dass ich recht froh bin, dass alles läuft soweit. Und es uns die meiste Zeit wirklich gut geht. Was will man mehr?

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Eine dieser Oasen. Diesmal im Arbeitsalltag. Zeugnisferienfrühstück mit meinen liebsten Kollegen. Das gibt Energie. Zweites Halbjahr? Wir kommen.

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