Stillen…unsere Geschichte

„Achtung! Der folgende Artikel enthält Wörter wie Brust oder Brustwarzen! Und hat mit Nestlé-Werbungsbildern wenig zu tun. Nur so als Vorwarnung.“

Ich denke, wir haben’s geschafft. Diese Sache mit dem Abstillen. Seit ca. fünf bis sechs Wochen. Und seit ungefähr dieser Zeit habe ich mir vorgenommen zu resümieren. Weil es so neu war. Weil es intensiv war. Weil ich viel gelernt habe. Weil ich es mir so anders vorgestellt hatte. Weil ich es (meist) so wundervoll fand. Weil ich es nicht vergessen will.

Alles auf Anfang – Die ersten Tage

Da war er nun. Der kleine Puck. Deutlich über 4 Kilo schwer. Nach 30 Stunden Wehen. Lag da auf meinem Bauch und schrie mich an. Mit einer ohrenbetäubenden Kraft, die selbst die Hebamme erstaunte. Und direkt nach der Erstversorgung war der große Moment gekommen. Ich wollte anlegen. Ähm ja. Links? Rechts? Wie krieg ich denn den Kopf zur Brust? Wie muss ich mich drehen? Und wie kriegt er die jetzt in den Mund? Ihr merkt schon, ich stellte mich alles andere als geschickt an. Nachdem aber zumindest ein erstes Geschnupper stattgefunden hatte, wurden wir in unser Zimmer gekarrt und dann begann der Kampf. Der Puck schlief oder brüllte. Und das mit dem Anlegen klappte und klappte nicht. Er bekam die Warze einfach nicht richtig zu fassen. Also bekam ich Stillhütchen. Fühlte sich nicht gut an, aber damit ging es dann vorwärts. Gleichzeitig wurde ein wenig zugefüttert, da ich Schwangerschaftsdiabetes hatte und man um die Zuckerwerte des Kleinen fürchtete. Also entweder Zufüttern oder für einen Tag auf die Intensiv zum Beobachten. Na ratet mal, was ich da gewählt habe. Und dann kam meine Rettung. Die Nachtschwester. Der Engel. Eine robuste Frau mit losem Mundwerk und einem gar wunderbaren Humor. Ich mochte sie sofort. Sie war geduldig, nahm sich Zeit und schaffte es sogar einmal, dass der Puck direkt aus der Brust trank. Sie versorgte meine langsam wunden Brustwarzen. Sie erklärte mir die Sache mit dem Rhythmus. Alle 4 Stunden? Ach was. Baby nach der Uhr stellen wird kaum klappen. Aber in der ersten Zeit solle ich unbedingt häufig anlegen. Des Einschusses wegen. Der kam. Nach 3 Tagen. Begleitet von Hitze, Schmerz und Streifen. Seufz. Aber pünktlich zur Entlassung. Das war ein wenig beruhigend.

Clusterfeeding – Stillen deluxe

Es dauerte ganze drei Wochen bis das Anlegen halbwegs klappte. Bis dahin war es eine Tortur, die mich und den Puck immer wieder an den Rand der Verzweiflung brachte. Das Stillhütchen brauchten wir weiterhin. Und dann war da die Sache mit dem Rhythmus. Bis zum Nachmittag schlief der Kleine auch mal ein wenig zwischen dem Stillen, aber spätestens ab dann ging es los. Anlegen, stillen, irgendwie die Luft wieder hinaus bekommen, kurz wegnicken, nach 5 Minuten schreiend aufwachen, anlegen, stillen, naja und so weiter eben. Stunde um Stunde um Stunde. Clusterfeeding nennt sich das wohl. Dieses Phänomen begleitete uns die ersten 12 Wochen durchgehend. Dem schnellen Abnehmen half es sehr, der Zunahme des Pucks auch, unserer Vertrautheit auch, aber ich selbst lief rum wie ein Zombie. Versteht sich. Außerdem waren meine Brustwarzen in einem katastrophalen Zustand. Wund ist nicht im Geringsten ein Ausdruck. Ich mag nicht zu sehr ins Detail gehen, aber meine Hebamme kam lange Zeit sehr häufig. Nicht wegen des Pucks, sondern wegen mir und meiner körperlichen Verfassung. Trug den Kleinen, während ich vor Rotlicht sitzen musste. Sie betonte nach einiger Zeit auch, dass es keine Schande sei auf die Flasche umzusteigen. Das sah ich schon auch so. Aber der Kleine schien ja großen Gefallen an der Brust zu finden und ich bin leider auch mit recht viel Ehrgeiz versehen. Ich biss mich durch. Ab der 5. Woche dann ohne Stillhütchen. Ich bin in dieser Zeit auch immer mal wieder verreist. Um wenigstens mal in einer neuen Umgebung dauerzustillen. Verständnis bekam ich in dieser Zeit wenig. Von meinem Mann und meiner Hebamme natürlich schon. Ach und meiner wundervollen Schwiegermama. Aber Freunde z.B. konnten nicht verstehen, wie ich mich so von meinem Kind beherrschen lassen konnte. “Das ginge ja schon gut los.” Ja, ja.

Starker Spendereflex

Gegen mich konnte Dolly Buster einpacken. Also echt jetzt. Mein Körper hatte sich milchproduktionstechnisch wohl auf Drillinge eingestellt. Und dann noch das Dauerstillen. Mein Vorrat und mein Milchspendereflex waren dermaßen stark, dass der Puck sich in den ersten drei Monaten unentwegt verschluckte. Und jede Mama weiß, was das heißt. Richtig. Luft im Bauch. Und was macht die? Richtig. Bauchweh. Ich habe nach tausend Möglichkeiten gesucht, aus diesem Teufelskreis aus Hunger, Stillen und Herumtragen auszubrechen. Aber am Ende half mal wieder nur die Zeit. Die längeren Pausen ließen meine Milch etwas weniger werden und langsamer fließen und ab dem vierten Monat trank der Puck dadurch ruhiger, verschluckte sich nicht mehr so häufig und wenn doch, konnte er das besser ab.

Wow, man kann das Stillen genießen?

Bis zu diesem Zeitpunkt las ich immer mal wieder, wie sehr viele Frauen das Stillen genossen und so gerne lange gestillt hätten. Äh, was? Ich liebte natürlich diese innige Verbindung zu meinem Kind und ein bisschen stolz war ich vielleicht hier und da auch, aber alles in allem, fand ich das sehr aufopfernd und anstrengend. Genuss? Nun, für den Kleinen sicherlich. Für mich war klar, ich halte tapfer bis zum 6. Monat durch und dann wird ratzfatz abgestillt. Als der Puck 4 Monate alt wurde, fing ich langsam an zu verstehen, was diese Frauen meinte. Ich war noch immer wund, das blieb auch fast bis zum Ende, aber es war sehr gut erträglich. Ich biss nicht mehr auf Stoffwindeln, um Schreie zu unterdrücken, wenn ihr versteht. Es gab endlich mal Stillpausen und ich war körperlich wieder so fit, dass ich regelmäßig mit dem Puck unterwegs war und davon auch was hatte. Mein und unser Umgang mit dem Puck war klar bedürfnisorientiert und ich nahm meine Mutterrolle endlich voll und ganz an. Und liebte ab da jede Sekunde. Und so stillte ich, deutlich schmerzfreier und entspannter. Ein Monat nach dem anderen verstrich und erst nach dem 7. Monat fingen wir langsam an mit der Beikost. Von der Geschichte erzählte ich ja schon. Und das Stillen wurde langsam, sehr langsam weniger. Was meiner Freiheit zwar zuträglich war, mich aber manchmal richtig traurig stimmte. Noch bevor der Puck ein Jahr alt wurde, hörte ich die ersten schrägen Kommentare und begann nicht mehr wirklich zu antworten, wenn man mich fragte, ob ich denn “etwa immer noch stillen würde?” Mittlerweile hätte ich das Selbstvertrauen.

Mastitis – Eine Erfindung der Hölle

Da ich neben offenen Brustwarzen, Stillhütchen, starkem Spendereflex und Dauerstillen wirklich auch alles mitnehmen sollte, bekam ich auch noch eine saftige Mastitis. Etwa als der Puck 5 Monate alt war. Es kam gefühlt binnen Minuten. Ich hatte schnell steigendes Fieber, meine Brust tat weh. Gott sei Dank hatte meine Frauenärztin noch offen. Der Mann versorgte den Puck, mein Papa raste mit mir los. Dort angekommen war mein Fieber bereits bei über 40 Grad und ich ein kleines Häufchen Elend. Die Entzündung wurde schnell festgestellt, aber war nicht auf einen Milchstau sondern auf Bakterien zurückzuführen. Oder auf Stress. Also sofort Antibiotika und Bettruhe. Nach zwei furchtbaren Tagen und Nächten, in denen ich aber super Unterstützung von meiner Oma erhielt, war’s Gott sei Dank geschafft.

Langzeitstillen

Sobald man über ein Jahr stillt, spricht man ja irgendwie spätestens vom Langzeitstillen. Alle meine Freundinnen aus dem Vorbereitungskurs hatten längst abgestillt und auch meine einzige sonstige Freundin mit Kind brachte es auf 6,5 Monate. Ich persönlich finde jeden Weg in Ordnung. Solange es für Mama und Kind passt. Das muss wirklich jeder selbst entscheiden dürfen! Ich hoffte darauf, dass nicht ich, sondern der Puck das Signal zum Abstillen geben würde und da ich mittlerweile die paar Momente am Tag unglaublich schätzte, hatte ich es damit nicht eilig.

Das Abstillen

… lief über Wochen. Im Prinzip stillte ich nur noch nachts. Und da der Puck ja nie ein guter Schläfer war, war die Brust ein Zaubermittel, was ihn zumindest schnell wieder einschlafen ließ. Irgendwann nahm ich mir vor, ihm die Brust wirklich nur noch dann anzubieten, wenn er sie explizit verlangte und nicht einfach schnell so. Und das war unser Weg. Eines Tages wollte er sie dann nicht mehr, selbst wenn ich sie ihm anbot. Und nun. Weitere 5-6 Wochen später schreibe ich diese Zeilen. Nach 15 Monaten.

Stillen. Neuland. Grenzerfahrung. Wunder.

 

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