Viel zu schnell…

Es waren ja schon ohnehin schon turbulente Tage. Und dann war da noch der Sonntag. Für viele auch als Valentinstag bekannt. Für mich war es leider der Tag, an dem ich mich von meinem geliebten Stubentiger verabschieden musste.

Er war ja bereits seit Weihnachten krank. Einfach so. Aus heiterem Himmel. Man fand und findet keine Ursache. Die Leber hat einfach Stück für Stück abgebaut. Niemand weiß warum. Viren oder Bakterien, die sonst für so etwas verantwortlich sind, konnten nicht nachgewiesen werden. Und er war auch noch sehr jung. Es war einfach eine Laune der Natur. Und die geht ja bekanntlich ihre eigenen Wege.

In der letzen Woche ging es ihm zunehmend schlechter und wir mussten uns innerlich darauf einstellen, dass er nicht mehr lang bei uns sein würde. Wir hatten gehofft, dass wir ihn das Wochenende noch um uns haben würden und wollten dann am Montag mit ihm zu Tierarzt fahren.

Aber bereits Samstag ging es ihm so schlecht, dass wir ihn sehr genau beobachten mussten und Sonntagmorgen war dann schnell klar, dass er noch heute in die Klinik muss. Details lasse ich hier unerwähnt, aber sein körperlicher Zustand war für alle Beteiligten nicht mehr haltbar. Wir überlegten, wie alles zu organisieren wäre, denn eigentlich wollte ich gern dabei sein. Das hätte aber bedeutet, den Puck mit in die Klinik zu nehmen. Und ein Aufenthalt dort kann dauern. Das war also keine wirkliche Option. Wir beschlossen, dass der Puck und ich uns vom Tiger verabschieden würden und der Mann dann während des Mittagsschlafes losfahren würde. So kam es dann auch. Nach dem Mittagessen wurde nochmal ausgiebig gestreichelt und bei dem Gedanken, dass das nun vermutlich das letzte Mal sein würde, standen mir die Tränen in den Augen und ich musste schlucken. Ich schnappte mir den Puck und verkrümelte mich ins Bett.

Knappe zwei Stunden später rief der Mann an. Hörbar traurig. Der Kater sei gerade eingeschlafen und er wollte mit mir das weitere Vorgehen besprechen. Ob wir ihn dort lassen oder selbst beerdigen wollten. Letzteres natürlich. Als ich auflegte, las ich eine Nachricht, die mir mein Mann wohl eine gute Stunde zuvor geschickt hatte. “Sind in der Klinik und warten” Da hatte mein Kater noch gelebt. Das gab mir den Rest und ich musste erstmal meine Tränen ihre Arbeit tun lassen.

Als der Mann nach Hause kam, erzählte er. Der Kater sei ganz ruhig gewesen. Als hätte er gewusst, worum es geht. Er hat nochmal seine Lieblingsleckerli bekommen. Gefressen hat er kaum. Und dann ist er eingeschlafen. In seinem Körbchen. Auf seiner Decke. Unter den Händen meines Mannes. Ich tue mich prinzipiell schwer mit solchen Entscheidungen. Es war immer klar, das wir ihn nicht unnötig quälen werden, aber über das Leben zu entscheiden ist einfach hart. Die Ärztin machte uns aber etwas Mut, indem sie sagte, dass der Kreislauf und der ganze Organismus schon wahnsinnig schwach war. Sie habe quasi kaum “helfen” müssen. Seine Zeit war also wirklich gekommen. Mein Mann meinte, es war ganz würdevoll und friedlich. Ein wirkliches Einschlafen. Ganz in Ruhe.

Nachmittags fuhren wir zu meinen Eltern. Suchten einen wunderschönen Apfelbaum aus. Und beerdigten unseren Kater. Mein Mann und ich. Draußen allein. Streichelten ihn nochmal. Legten ihm seine Leckerli ins Grab und standen noch eine Weile zusammen da. Mit einem Gemisch aus Tränen und Schneeflocken im Gesicht. Sogen den schlafenden Anblick ein. Wissend, dass wir ihn zum letzten Mal sehen konnten. Dann bedeckten wir ihn langsam und vorsichtig. Und verabschiedeten uns. Viel zu früh. Nächste Woche wäre er 5 geworden.

Mach’s gut, mein lieber Janosch. Mein Felltiger. Meine Fressraupe. Mein Kämpfer. Du hast mit mir studiert, gelernt, meinen Abschluss gemacht. Mit mir das Referendariat überstanden. Mit uns geheiratet. Mich unendlich vermisst, als ich nach München zog. Mit uns Bayern in Richtung Norden verlassen. Meinen schwangeren Bauch gewärmt. Den Puck bewacht. Mit ihm Freundschaft geschlossen. Du hast uns begleitet und bist viel zu früh abgebogen.

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Danke für diese Jahre.

Irgendwann sehen wir uns wieder.

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