“In 176 Tagen…

… kommt Ihr Baby”, sagt meine (kaum genutzte) Schwangerschafts-App. 176 Tage also. Eine Ewigkeit, die schon übermorgen vor der Tür stehen wird. Man kennt das. Während die ersten Wochen hauptsächlich davon dominiert wurden, die Tage irgendwie zu überleben, habe ich jetzt langsam ein wenig Ruhe, um mir Gedanken zu machen. Schwierig. Dieses “Gedanken machen”. Sie sind ziemlich gemischt und jede Mehrfach-Mama wird nun wissend sanft lächeln. Bin ich wohl kaum die erste Frau mit gemischten Gefühlen.

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Zum einen wäre da mal die Sache mit der weiteren Schwangerschaft. Mir blüht, so der aktuelle Stand, sehr wahrscheinlich wieder ein Schwangerschaft-Diabetes. Gut. Kenn ich schon, kann ich mit umgehen. Meine Rezepte weiß ich noch. Ist ja alles noch nicht so lang her, ne? Allerdings hat das Ganze letztes Mal schon auch Zeit beansprucht. Regelmäßiges Messen des Blutzuckerwertes, Einhalten von Zwischenmahlzeiten, teilweise Aufwendigeres Zubereiten meiner Mahlzeiten und Termine beim Diabetologen. Diesmal ist meine Zeit aber wesentlich knapper bemessen und mein Rhythmus klar auf ein kleines zauberhaftes Menschlein ausgerichtet. Außerdem weiß ich auch noch nicht, wie fit ich in den kommenden Monaten sein werde. Das letzte Mal bin ich ja wirklich bis zur Geburt, schlank und rank mit kleinem Bäuchlein, keinerlei Wasser oder ähnlichem über die Wiesen gehüpft. Aber jede Schwangerschaft verläuft ja bekanntlich sehr eigen. Wie macht man das dann mit kleinem Kind. In diesem Punkt bin ich aber allgemein wohl noch am optimistischsten. Wird sich schon finden. Zumal sich mein Mutterschutz an die sechs Wochen Sommerferien anschließt, weil die dieses Jahr hier mal etwas früher sind. Dann fällt schon mal der berufliche Belastungsfaktor weg.

Als Nächstes wäre da dann eine zweite Geburt. Hier bin ich weit weniger hoffnungsvoll gestimmt. Die Geburt des Pucks war ein intensives und sehr prägendes Erlebnis, das ich auch nicht missen möchte, da ich durchaus einen Gewissen Stolz empfinde. Allerdings war sie auch traumatisch. Der “Kleine” wog deutlich über 4 Kilo und auch der Kopfumfang konnte sich sehen lassen. 30 Stunden Wehen waren, wem sag ich das , kein Zuckerschlecken. Die letzten 5 Stunden bei völlig geöffnetem Muttermund und andauernd einsetzenden Presswehen, die ich unterdrücken musste, da sich ein Saum am Muttermund nicht zurückschieben wollte. Um mal ein wenig ins Detail zu gehen. Als der Puck dann da war, wurde ich eine gute Stunde genäht. Insider können sich vielleicht ungefähr das Ausmaß der Zerstörung vorstellen. Ich konnte auch aufgrund zweier Blutergüsse knappe 3 Wochen kaum laufen. Alles in allem war das also eine nicht ganz so rosige Geschichte. Abgesehen mal natürlich von dem rosigen kleinen Würmchen, mit dem ich belohnt wurde. Und diesmal? Hab ich Angst? Mir ist jetzt schon mulmig. Sagen wir mal so. Was ist, wenn dieses Kind noch größer wird? Soll ja beim Zweiten nicht selten der Fall sein. Was, wenn ich nicht nochmal so viel Glück und geduldige Ärzte und Hebammen habe? Was, wenn mein in Mitleidenschaft gezogener Beckenboden das diesmal nicht mehr so mitmacht? Werde ich diesmal verkrampfter, weil ich weiß, wie’s läuft? Weil in der Situation all die Erinnerungen hoch kommen? Was wäre wenn?

Noch bin ich relativ ruhig, da das alles gefühlt noch weit weg ist. Aber es gibt diese kleinen Momente, in denen mir dann plötzlich ganz real bewusst wird, dass ich mich in weniger als einem halben Jahr in einer Geburtssituation wiederfinden werde. Dass das passieren wird. Und dann schauert’s mich ein wenig.

Zu guter Letzt wäre da noch mein Puck. Wir sind eine Einheit. Über viele Monate zusammengewachsen. Mein Leben dreht sich um ihn. Nicht ausschließlich. Aber er ist mein Mittelpunkt. Das steht fest. Ich habe mich (zugegeben erst nach ein paar Wochen) komplett auf ihn eingelassen, ihn so angenommen wie er ist. Seinen Rhythmus geschehen lassen, seine Bedürfnisse ernst genommen. Geht das beim zweiten Kind auch noch so? Dauerstillen? Das kleine Mäuschen muss ja zwangsläufig in einen schon bestehenden Rhythmus hineinwachsen. Ist das fair? Wird er sich dadurch nicht so frei entwickeln können und dürfen wie der Puck? Und, ach ja Moment, wie wird der Puck das alles bewältigen? Mama teilen. Eventuell zurückstecken müssen. Manchmal blutet mir das Herz bei solchen Gedanken. Irgendwie bescheuert. Ich bin oft wehmütig, wenn ich daran denke, dass die exklusive Zeit mit meinem Sonnenschein nicht mehr von langer Dauer ist. Wenn ich daran denke, dass die erste Zeit mit Baby diesmal eine ganz andere werden wird.

Ich sagte am Anfang gemischte Gefühle, oder? Waren ja jetzt doch eher die ängstlichen und sorgenvollen. Natürlich gibt es auch schöne Gedanken. Geschwisterliebe zum Beispiel. Ich selbst habe 4 Geschwister und um jeden einzelnen von ihnen bin ich dankbar. Zusammen aufzuwachsen hat mir so viele wundervolle Erinnerungen beschert. Sie machen mich aus. Ich bin im Übrigen die Älteste und bin bis heute immer für meine Brüder und meine Schwester da. Genieße ihre Gegenwart. Der Puck kommt in Vielem nach mir (außer Äußerlich). Warum sollte es bei ihm nicht ähnlich sein? Er ein ganz warmherziger, liebevoller großer Bruder werden? Er braucht Menschen um sich herum. Er liebt Babys. Ist so gern in Gesellschaft. Irgendwie weiß ich ganz tief, dass er Geschwister braucht.

Außerdem war da dieser Wunsch. Ein so deutlicher, aus dem Innersten kommender Wunsch. Den ich nicht erklären konnte. Er war da. Wurde mit jedem Tag lauter, obwohl ich selbst noch mit einigen Wunden zu kämpfen hatte und mich gedanklich noch kaum mit einem weiteren Kind beschäftigt hatte. Und ich vertraue meinem Gefühl. Wenn etwas tief in mir sich bereit fühlt, dann bin ich das auch, selbst wenn ich das noch nicht so richtig wahrnehme oder mich Zweifel plagen. Gibt es neben all dem einen besseren Grund für ein Kind, als einen urinnigsten Wunsch? Auf die Frage “Warum jetzt, warum überhaupt?” mit einem klaren “Weil Mama es sich von Herzen gewünscht hat!” antworten zu können, erscheint mir als die klarste und sinnvollste Antwort überhaupt.

Und alles andere ist Zukunftsmusik. Und ich glaube, ihre Melodie wird mir gefallen.

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