Muddimutation? Wer? Ich? Niemals! (Oder doch?)

Die liebe Anna von neverlookedsobeautiful ruft zur Blogparade auf. Das Thema? #muddimutation.

Hä? Bitte was? Was soll das sein? Ich las Annas ursprünglichen Beitrag und dann noch einige weitere. Ich fand sie amüsant. Ich musste schmunzeln. Aber ich fühlte mich erstmal nicht angesprochen. Ja, natürlich habe ich mich verändert durch das Muttersein. Und zwar im bereicherndsten Sinne. Aber diese klassischen Marotten? Die hab ich doch nicht.

Auf den ersten Blick jedenfalls. Ich war nie Fan von Wickeltaschen. Ich trage weiter Handtaschen, die mir gefallen. Nur eben etwas größere Modelle. Der Inhalt wurde auch erweitert. Aber gar nicht so drastisch. Windeln, Etwas zu trinken, vielleicht ein Spielzeug. Essen habe ich auch vorher immer mitgeschleppt. Ich gehe nie ohne Notfallration aus dem Haus.

Auch bei der Mode und meiner Frisur habe ich wenig Abstriche gemacht. Der momentane Stil ist ja so oder so sehr komfortabel. Röhre, weite Pullis, schicke Sneaker. Seh ich auch an den NM (= Nichtmuttis). Meine Haare wurden kurz. Man mag nun meinen, AHA, das ist doch sehr muttihaft. Aber ich habe schon immer experimentiert. Von ellenlang zu knapp und kurz. Von blond zu braun. Und ich sage euch, von wegen Muttifrisur. Eine wirklich gute Kurzhaarfrisur braucht deutlich mehr Zuwendung als Haare, die ich in einem Zopf oder Knoten verstecken kann. Sonst sieht man nach Handfeger aus.

Ich bin sogar halbwegs spontan geblieben. Mein Sonnenkäfer ist dann halt dabei. Wir wohnen sehr städtisch zentral. Das macht es natürlich leichter.

Nun fragt ihr euch sicher, was will sie denn nu? Prahlen? Cool tun?

Auf keinen Fall. Denn mit jedem Beitrag den ich las, kam ich ins Grübeln und schaute nochmal genauer hin. Und dann entdeckte ich es. Der Teufel steckt im Detail. Und Teil MEINER Mutation war wohl scheinbar auch das Phänomen der Verdrängung. Aber nun schreit mich mein Spiegelbild an. IN DIR STECKT AUCH EINE MUTTI. SIEH ES EIN.

Ich werde das mal anhand der folgenden Liste verdeutlichen:

1. Meine Nägel

Erst dachte ich: “Hey, ich lackiere sie mir immer noch gern. Hat sich doch nix verändert?” Dann wagte ich einen Blick zum Ort des Geschehens und musste mir eingestehen. “Na gut, der Lack hat sich mittlerweile fast von allein wieder entfernt. Wann hab ich lackiert? Vor drei Wochen?” Ich lasse einfach mal ein Bild Bände sprechen.

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An dieser Stelle muss auch der allgemeine Zustand kritisch betrachtet werden. Es zeigt sich eine gewisse Färbung und ein Verschleiß durch stundenlanges im Sand spielen. Ebenso erkennt ihr kleine Farbflecken. Entstanden durch diverse künstlerische Aktionen mit meinem Sohn. Nun ja.

2. Mein Wellness

Früher gönnte ich mir tatsächlich ab und zu Massagen. Machte mir Gesichtsmasken. Buchte beim Frisör stehts das volle Verwöhnprogramm. Heute geh ich duschen. Manchmal länger als 5 Minuten. Der absolute Luxus. An ganz, ganz besonderen Tagen schaffe ich es, mich hinterher sporadisch einzucremen.

3. Meine Highlights

Ich bejuble Exkremente. Aus tiefstem Herzen. Ein weicher Stuhlgang nach Tagen der Verstopfung oder ein gesunder Windelinhalt nach einer Magen-Darm-Grippe können in mir ungeahnte Glücksgefühle auslösen. Und das mit dem Jubeln ist bitte wirklich wörtlich zu nehmen.

4. Meine Freude 

Ich lebe in einer neuen, anderen und ganz eigenen Welt aus “Bagger”, “Decka” (Trecker), “große Bus”, “Auto”, “Rote (Motorrad), “Mischer”, “Laster”. Und die Hingabe und ehrliche Freude, die mein Sohn für diese Straßenverkehrsteilnehmer aufbringen kann, hat sich voll und ganz eingebrannt. So flippe ich auch in Abwesenheit des Kleinen beim Anblick eines Feuerwehrautos völlig aus und brülle meiner besten Freunde reflexartig “ein TATÜTATAAAA” ins Ohr. Und ich bausche hier grad nix auf. Original so passiert. Letztes Wochenende.

5. Mein Essen

Ich liebe Essen. Ich schreibe das manchmal als “Hobby” in die Freundebücher meiner Schüler. Echt wahr. Ich kann genießen. Gesundes wie Sündhaftes. Heute schlinge ich entweder möglichst effektiv, möglichst viel, in möglichst kurzer Zeit. Und wenn ich doch mal ein wenig Zeit habe, muss ich manchmal heimlich essen. Denn der Puck will immer alles “auch habe”. Die oben genannten Sünden kann ich also nur abends essen oder mit geschickten Ablenkmanövern.

6. Meine Fotos

Ich habe nie viel fotografiert. Trotz der guten technischen Möglichkeiten, die mir zur Verfügung stehen. Was soll man mit so viel Bildern? Ich schaue sie mir ja doch nicht an und wen anders will ich damit nicht langweilen. Und jetzt? “Hey, der Kleine piekst eine Erbse auf. KLICK. Er führt die Erbse zum Mund. KLICK. Er macht den Mund auf. KLICK. Er steckt die Gabel in den Mund. KLICK. Er kaut. KLICK. Er schluckt. KLICK.” Naja, und so weiter. Ihr kennt das. Hoffe ich.

7. Mein Kopfkino

Ich hatte schon immer eine blühende Phantasie. Keine Frage. Aber was mein Vorstellungsvermögen manchmal mit mir anstellt, geht auf keine Kuhhaut. Ich sehe den Puck in nahezu jeder alltäglichen Situation den unfassbarsten Gefahren ausgesetzt. Ein simples “Kopf stoßen” ist meinem Gehirn zu langweilig. In meinem Inneren entstehen eher so Bilder wie man sie aus Alarm für Cobra 11 kennt. Nicht schön. Und ich erspare euch die Details. Sonst kann ich nicht einschlafen nachher.

8. Meine Abschirmung

Wo wir gerade in diesem Bereich sind. Ich kann nichts Bedrohliches mehr sehen. Keine Nachrichten im Fernsehen, keine Artikel in der Zeitung. Nichts. Das halte ich emotional nicht aus. Auch bei Filmen muss ich klar zensieren. Bambi? Ohne mich. Könnt ich nicht mehr ertragen. Ein Rehkitz ganz allein. Ohne Mama. Das wäre zu viel.

9. Mein Schlaf

Mein Schlafzimmer hätte Proberaum für einen Fanfarenzug sein können und ich hätte trotzdem friedlich und unberührt weitergeschlafen. Heute kann im Dachgeschoss des Hauses drei Straßenecken weiter ein Kind leise hüsteln. Ich säße senkrecht im Bett. War das der Puck? Ist er wach? Wie spät ist es? Braucht er Wasser? Ist er nass? Hat er schlecht geträumt?

10. Meine Weisheit

Ich ertappe mich immer und immer und immer wieder bei dem Satz “Wenn DU erst ein Kind hast,…”  Ganz dolle furchtbar ist das. Ich habe eigentlich ausschließlich kinderlose Freunde, die natürlich trotzdem so ihre Ansichten über Kinder und deren Handhabung kundtun. Und ich verüble es ihnen nicht. War ich doch nicht anders. Was hatte ich für klare Meinungen wie das Elternsein wohl laufen und sein muss. Und wie habe ich den Satz “Wenn DU erst ein Kind hast, dann…” oder “Krieg erstmal selber Kinder!” gehasst. Ich verstehe ihn. Denn er ist nicht unwahr. Aber ich fand ihn damals blöd. Und genützt hat er auch nix. Denn was das mit dem Muttisein alles heißt, kann man sich einfach nicht vorstellen, egal wie viele Leute einem noch so detailreich die Sache erklären. Muss man eben selbst erlebt haben. Alles davor ist graue Theorie.

Blogparade

Ihr seht also. Von wegen Muddimutation betrifft mich nicht. Oh doch. Es hat sich eingeschlichen. Und wisst ihr was? Ich finde es toll. Mit jeder Faser. Denn diese Seite gehört auch zu mir. So wie jede andere Marotte zuvor. Da ist noch ganz viel von mir. Ich bin immer noch ich. Aber jetzt eben um die Mamarolle erweitert. Und das ist wertvoll. Jede Sekunde meines Lebens. Auch dann, wenn ich den Stuhlgang meines Kindes feiere. Jawohl.

Kommentare

  1. Avatar
    Hanna

    Ich musste echt lachen - vor allem die Sache mit dem Tatütata ;)

    1. Sassi
      Sassi

      Ja, das war ein absurder Moment. Unfassbar lustig und schockierend zugleich. Meine Freundin nahm's gelassen und lobte bestätigend meine zielsichere Fahrzeugbenennung.

  2. Avatar
    Anna

    Liebe Sassy, hach ja irgendwann kommt man nicht drum herum und man muss sich der Wahrheit stellen, wir Mamas sind eben doch alle irgendwie zu Muttertieren mutiert:-). Danke für deinen schönen Beitrag, der sehr lustig und anschaulich die schleichenden Veränderungen aufzeigt! Ich habe ihn sehr gerne gelesen! Alles Liebe Anna

    1. Sassi
      Sassi

      Danke für deine schöne Blogparadenidee. Ohne sie hätte ich der Mutti in mir vielleicht nie ins Auge geblickt. Liebe Grüße.

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