Und? Diesmal so?

Auf einem anderen Blog las ich kürzlich, dass ich jetzt als UHU gelte. Nie gehört den Ausdruck und, falls ihr nicht zu den Top-Insidern gehört, kreisen bei euch jetzt auch die Fragezeichen. Diese Bezeichnung meint schwangere Frauen, deren Geburtstermin in weniger als 100 Tagen datiert ist, deren Geburt also in Unter HUndert Tagen ansteht. Ah ja. In meiner App, die ich mir zu Beginn dieser Schwangerschaft zulegte, um im Bedarfsfall schnell nachschauen zu können, in welcher Woche ich denn grad bin, steht dazu folgende Bemerkung: “In 86 Tagen kommt ihr Baby.” Gut, dass klingt jetzt echt nicht mehr lang.

Um meinen UHU-Status also gebührend zu feiern, dachte ich, dass es vielleicht mal ganz lustig und interessant wäre ein vergleichendes Resümee zu ziehen. Erste Schwangerschaft – zweite Schwangerschaft. Ein paar kleine, feine Unterschiede gibt es da ja dann doch. Also bei mir zumindest. Aber lest selbst.

 

Damals:

Was? Du bist schwanger? Echt jetzt? Also wirklich? Woah. Ich muss mich setzten. OMG! Das ist ja mal ‘ne Nachricht. Das muss ich mal verdauen. Ich dachte, du wolltest noch nicht!? Puh, ok. Haben wir irgendwo Schnaps in Reichweite?

oder auch:

Was? Du bist schwanger? Oh, ist das toll! Man, herzlichen Glückwunsch. Ach, das wird so schön. Was wünscht du dir denn? Mädchen? Junge? Weiß es der Papa schon? Na komm, setz dich doch erstmal. Wie geht es dir denn überhaupt? Ist dir schlecht? Soll ich dir ein Glas Wasser holen?

Heute: 

Schwanger? Schon wieder? War das geplant?

oder auch:

Schwanger? Oh, Glückwunsch. Sag mal, ich hab schon lang nichts mehr von Lena gehört. Was macht die eigentlich so?

Mit den Reaktionen auf meine erste Schwangerschaft konnte ich irgendwie besser umgehen. Die waren so emotionsgeladen ehrlich. Und ich habe beide Varianten (Bombeneinschlag und Freudentaumel) komplett einordnen können.

Damals: “Und, wie weit bist du?” – “Heute? Also ich bin 21+3 (und 7 Stunden und 4 Minuten). In der 22. Schwangerschaftswoche. 6 Monat. Weil weißt du, man muss da genau sein. Und eigentlich ist man auch noch etwas kürzer schwanger, aber ab letzter Periode wird gerechnet, weil…”

Hätte ich dir auch nachts um 3.00 Uhr genau so runterrattern können.

Heute: “Und, wie weit bist du?” – “Mhm, weiß nicht, ich glaub im 7. Monat?”

Ich muss wirklich, ohne Mist, fast jede Woche in besagter App nachschauen, wenn ich euch mein Update schreibe. Aus’m Stegreif kann ich meine Woche nicht sagen.

Damals: “Mhm, also da ist Käse dabei. Na, wer weiß, ob der pasteurisiert ist. Der Salat vielleicht? Ach, ob die den hier richtig waschen? Dem Fisch vertrau ich lieber nicht. Wer weiß, ob der nicht irgendwie belastet ist. Ob der Koch das Fleisch auch wirklich gut durchbrät? Ach, ich nehme eine Ofenkartoffel, bitte. Aber ohne Quark.” 

Heute: “Du, Sassi?” – “Ja?” – “Ist in Sushi nicht roher Fisch?” – “(kauend) Oh!”

Damals: “Ach, nun guck dir doch mal diesen Bauch an. Ich kann bald nicht mehr verstecken, dass ich schwanger bin. Es wird auch sicher bald Zeit für Umstandskleidung. Uiuiuiui, nu guck doch mal.” (Das war in der 8. Schwangerschaftswoche.)

Heute: “Hä? Wieso komm’ ich nicht in meine Jeans? Was ist denn das?” Fummel, quetsch. Kurze Nachdenkpause. “Ach Gott, ja. Bin ja schwanger.” (Das war Ende des 6. Monats.)

Damals: “Och, schau doch mal, was es für schöne Schwangerschaftskleidung gibt. Das MUSS ich haben. Und das auch noch. Ui, was für ein hübsches Kleid. Oh, und dieses auch noch. Ach, und das noch in den Warenkorb.”

Heute: “(laut rufend) Dein dunkelblaues T-Shirt brauchste doch nicht mehr, oder. Ich leih mir das nur mal kurz.” – Ein seufzendes “Ok.” vom Mann aus der Küche.

Damals: “Oh man! Hilfe. Ich glaube, das war ein Tritt. Gottohgott, was halt ich jetzt davon? Das ist ja krass. Wuah. Ich hab ihn gemerkt. Find ich das jetzt schön? Wie so n Käfer im Bauch. Wie sich das anfühlt! Heftig.” (Meine beste Freundin hat diesen kleinen, leicht überforderten Ausraster als Reaktion auf den ersten spürbaren Tritt des Sohnes live mitverfolgen dürfen.)

Heute: “Och, nö. Geht das schon los mit Blähungen?” (Stelle wenige Sekunden später fest, dass es keine Blähungen waren, sondern eine erste Kontaktaufnahme.)

Damals:

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Teuerstes Hightech-Gerät aus der Apotheke. Hauptsache Nummer sicher und so.

Heute: 

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Billigtest. Aus der Drogerie. Im Angebot sogar.

Damals: “Wie das wohl so wird mit Kind? Ach, was soll schon groß kommen? Ich kenn mich doch aus. So viele Geschwister. Immer auf kleine Kinder aufgepasst. Na, die ersten Wochen schläfste bestimmt weniger, aber wenn man nicht immer gleich hinrennt, dann schlafen Babys ja sicher schnell durch. Ach, bei meinem Kind wird das nicht so. Bin ja auch ‘n ganz anderer Typ Mama.” (Kurze Pause für einen gigantischen Lacher.)

Heute: “Wie das wohl wird mit zwei Kindern? Ach, was soll schon groß kommen? Jetzt kenn ich mich doch wirklich aus. Bin ja schließlich schon Mama. Naja, erstmal schläfste bestimmt wieder weniger, aber die zweiten schlafen ja meist viel schneller durch. Mittlerweile biste ja auch wirklich ne ganz entspannte Mama.” (Wieder kurze Pause für einen gigantischen Lacher erfahrener Mehrfach-Mamas.)

Damals: “Ach, die Geburt schaff ich schon. Bin ja hart im Nehmen. Ich war im GVK. Ich weiß doch jetzt, wie’s abläuft. So dramatisch wird’s schon nicht. Einfach viel rumlaufen, nicht stressen,  immer brav entspannen und am Ende bloß nicht in Rückenlage. Dann flutscht schon alles wie von selbst.”

Heute: “WAS HAB ICH MIR DABEI GEDACHT? Noch ne Geburt. Ich bin doch irre!”

Das wären mal so einige Punkte. Vielleicht etwas humoristisch verpackt. Aber sehr wahr. Andere Dinge unterscheiden sich weniger. Ich habe nicht frühzeitig Babysachen angeschafft. Mich nicht nicht wirklich gesondert geschont. Ich hab beim Puck lange gebraucht, um mich, abgesehen eben von den Sachen, auf die man achten muss, auf die Schwangerschaft einzulassen. Gefreut hab ich mich dann natürlich auf ihn. Aber dieses Schwangersein ist nicht meins. Auch diesmal nicht. Aber das danach. Das ist schön. Und sehr gewollt.

 

Könnte man eigentlich fast ne Blogparade draus machen. Gibt ja da draußen genügend Mehrfachmamas. Aber mit sowas kenn ich mich nicht so aus. Mach nur ab und zu bei einer mit. Aber wer sich inspiriert fühlt, darf natürlich jederzeit auch loslegen.

In diesem Sinne wünsche ich mir mal ne schöne Restschwangerschaft. So als UHU.

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