Von Heldenverehrung und zu viel Selbstverständlichkeit…


Bereits der Titel warnt vor. Ich muss mich mal kurz ausschütten. Einmal die wortgeladene Emotionsbadewanne auskippen, ehe sie nochmal überschwappt. Ich kann nicht garantieren, dass mir das verständlich, nachvollziehbar und in gut strukturierte Form gelingt oder dass am Ende gar völlig klar ist, worum es mir geht und was ich zu sagen habe. Aber egal. Was raus muss, muss raus. So.

Ich berichtete ja vor ein paar Tagen, dass das letzte Wochenende, beziehungsweise sogar eigentlich nur ein Großteil davon, für mich etwas Besonderes war. Ich durfte auf Reisen gehen, zu meiner besten Freundin. Und das allein. Wochenlang so geplant, übernahm mein Mann die knappen zwei Tage Betreuung. Dafür war ich ihm selbstverständlich sehr dankbar. Dass er sich das zutraut. Dass er meinen Wunsch so ernst nahm. Dass er sich freischaufelte von seiner Firma. Naja, ich schrieb ja schon, was es für einen Planungsaufwand benötigte.

Nun war und ist es so, dass, wenn ich von unserem Vorhaben erzählte oder jetzt eben im Nachhinein davon schilderte, gefragt wurde, wer denn dann bitte den Kleinen nimmt. Die Oma? “Äh, nein. Der Papa managed das an diesen beiden Tagen mal.” Und jetzt kommt’s. Die Leute überschlugen sich förmlich vor Rührung, vor Mitleid, vor Bewunderung. “Was? So etwas macht er? Was für ein toller Papa. Dabei arbeitet er doch so viel. Und das macht er wirklich gern?” So und ähnlich klangen die Heldenverehrungen. Wie gesagt, auch ich war sehr, sehr dankbar, dass das alles so möglich war. Einmal. In zwei Jahren. Und das habe ich ihm auch gesagt. Ich bin ein Mensch, der das Wort Danke auch jederzeit gern in den Mund nimmt. Aber diese Lobüberschüttungen für meinen Mann waren einfach unverhältnismäßig. Nicht, dass ich es ihm nicht gönnen würde, aber es wurde an dieser Stelle doch ein klares Ungleichgewicht deutlich.

Ich höre selten, eigentlich gar nicht, solche Ausrufe für Mütter. Solche Wertschätzungen und Bewunderungen…

“Was? Du nimmst das Kind für eine Woche, weil dein Mann auf Dienstreise ist?”

“Was? Du bleibst abends zu Hause, damit dein Mann mal Freunde treffen kann?”

“Was? Du verzichtest erstmal auf Karriere, damit dein Mann sich beruflich nicht einschränken muss?”

“Was? Du sagst deinem Arbeitgeber ab, wenn dein Kind krank ist? Nicht dein Mann?”

“Was? Du schmeißt allein den ganzen Haushalt, versorgst jeden Tag die Kinder und gehst auch noch arbeiten, damit das Geld reicht? Wow!”

Hört ihr solche Sätze gegenüber Müttern? Eher weniger, stimmt’s? Im letzen Jahr ging ich Vollzeit arbeiten, damit mein Mann sich den (eben anfangs finanziell etwas unsicheren) Traum der Selbstständigkeit erfüllen kann. Ich kümmerte mich um den Puck. (Das, wohlgemerkt, von Herzen gern.) Ich regelte unsere Verpflichtungen (Arzttermine, Rechnungen, sowas…). Ich pflegte unser Sozialleben (Familienfeiern, Geburtstagsgeschenke, Besuche von Freunden). Ich schmiss den Haushalt. Denn entweder musste der Mann all seine Energie auf die neu gegründete Firma richten.  Wir haben ja viele Opfer gebracht, da steht er für sich natürlich irgendwo unter dem Druck, dass das nun auch was wird. Er möchte natürlich, dass sein Lebenstraum gelingt. Ist logisch. Die restliche Zeit konzentrierte er sich auf seinen Sohn. Denn er ist mit Leib und Seele Papa. Und genießt die kostbaren Momente, in denen er auch vor Ort für ihn da sein kann. Ich würde es nie über’s Herz bringen, ihn in dieser Zeit den Abwasch machen zu lassen, damit er auch mal was im Haushalt tut. Irgendwann sollen hier natürlich etwas gleichgewichtetere Strukturen herrschen. Aber bis dahin ist es so. Und wir haben unseren Weg gefunden und sind sogar recht zufrieden. Und ach ja, die Hälfte dieses Jahres war ich auch bereits wieder schwanger.

In all dieser Zeit habe ich selten Anerkennung in Form der oben genannten Sätze erfahren. Keiner munterte mich groß auf. Unterstützung hatte ich wenig. Mir wurde nicht wirklich Mut gemacht. Im Gegenteil. Es fielen eher Sätze wie “Na, das geht doch nicht gut. Ich geb dir zwei Monate, dann gibst du auf.”, “Warum musstet ihr auch jetzt schon Kinder kriegen. Deine Mama ist doch noch nicht mal in Rente. Später hättest du da mehr Unterstützung.” (Den Satz fand ich mal richtig den Kracher. Meinen heißgeliebten Puck anzweifeln. Geht’s noch? Der kann ja nun mal gar nichts dafür. Und meine Mama ist übrigens so frühestens in 15 Jahren in Rente.) “Vollzeit? Das wirst du nicht schaffen. Das macht hier an der Schule auch sonst keiner. Überleg dir bitte zu reduzieren.” (Eine spezielle Kollegin begrüßte mich so bei meinem Einstand letztes Jahr. Nachdem ich ihr gerade erklärt hatte, WARUM ich Vollzeit arbeiten müsste und da auch keine Wahl hätte.)

Und das waren nur mal ein paar Highlights. Eben besagte Kollegin, selber mehrfache Mama, die leider auch hier und da weisungsberechtigt war, fühlte sich sogar dadurch, dass das mit Job und Kind irgendwie halbwegs lief, persönlich angegriffen und triezte mich in diesem Schuljahr zusätzlich. Mit Extraaufgaben oder dem Geringschätzen meines Arbeitsaufwandes. Soviel nun also zur Anerkennung  von Müttern und in diesem Fall sogar zur Solidarität unter Müttern.

Nun brauche ich diese Lobhudeleien nicht. Überschwängliche Bewunderungen und Dankbarkeit sind mir eher unangenehm. Darum soll es hier auch nicht gehen. Ein ernstgemeintes Danke meine Mannes, ja, das bedeutet mir was. Mehr braucht es nicht. Und das höre ich mittlerweile immer mal wieder von ihm. Am Anfang ging es doch sehr im Alltagstrubel unter. Jedenfalls möchte ich mit diesem Beitrag nun nicht mit Anerkennung überschüttet werden. “Ach, nein, wie toll du das geschafft hast.” Ich bin stolz auf mich, das reicht mir vollkommen.

Nein, es geht mir um was anderes. Um mehr. Das Beispiel meiner Situation steht für etwas viel Größeres und Grundlegenderes. Es zeigt ganz einfach den noch immer vorherrschenden Blick auf Mütter in unserer Gesellschaft. Die “Arbeit” einer Mutter (liebevolles Großziehen der Kinder, Haushalt, Familienmanagement) zählt einfach nicht so viel. Sie ist SELBSTVERSTÄNDLICH. Warum sollte man das nun speziell anerkennen? So ist das als Mutter nun mal. Das ist doch keine besondere Leistung. Ein Papa, der seiner Frau mal Freiraum verschafft und einmal abends allein die Kinder betreut? Ein Held. Eine Mama, die das jeden Tag so macht, ebenfalls neben Job und eben den ganzen anderen familiären Verpflichtungen? Nichts Besonderes. Eine Mutter eben.

Und wehe, eine Mama wagt es dann auch noch erschöpft zu sein oder gar zu – Achtung – jammern. Gott bewahre. Dann kommt mein Hasssatz Nummer 1: “Ja, aber du hast es schließlich so gewollt.” Wenn ich sowas höre, könnte ich schreien. Ja, wenn alles gut lief, hat sich eine Mama ihr Kind auch gewünscht. Deswegen muss ab da alles Pupserosazuckerwatte sein? Ab da darf man nie wieder einknicken, mal straucheln? Wenn eine Freundin sich ihr Herz bei mir über ihren gerade irgendwie doofen Ehemann ausschüttet. Ein lieber Kerl, der eben gerade eine schwierige Phase durchmacht, dann würde mir im Traum der Satz “Na und? Du wolltest ihn ja unbedingt heiraten. Was beschwerste dich denn jetzt?” nicht einfallen. Nein, ich würde die gerade akuten und ehrlichen Sorgen und Nöte ernst nehmen. Basta.

Mutter sein ist nichts Besonderes. Verdient nicht zwingend zusätzliche Aufmerksamkeit. So wird es viel zu oft vermittelt. Wenn man dem Papa mit Baby im Tragetuch einen Platz im Bus anbietet, der Mama mit Tragetuch aber nicht. Wenn auf dem Spielplatz alle verliebt und anerkennend zum Papa mit Kind im Sandkasten schauen, während man missbilligend auf die Mama neben sich blickt, die ihr Kind ja mal wieder nicht im Griff hat. Wenn man angepöbelt wird, weil man verzweifelt versucht den Kinderwagen durch die Nadelohröffnung der U-Bahn zu quetschen. Naja, solche kleinen Situationen eben. Und ums nochmal klar zu sagen, bitte hört nicht auf, so freundlich zu Papas zu sein. Ich wünsche mir da nur etwas mehr “Gleichberechtigung”.

Und wer jetzt meint, dass das Reaktionen von Menschen sind, die eben vielleicht (noch) keine eigenen Kinder haben und es deswegen nicht besser wissen können, der irrt. Ich höre sowas gern auch mal von anderen Müttern. Aber auch das kann ich ihnen manchmal nicht verübeln. Fehlende Anerkennung ist ein Teufelskreis. Lässt man sie mir nicht zukommen, werde ich nicht wertgeschätzt, wie soll ich dann jemanden in ähnlicher Situation wertschätzen. “Mir hilft auch keiner!” “Von mir wird das auch erwartet.” “Mein Mann ist auch nie zu Hause.” Ich hoffe, dass immer mehr Mamas es schaffen, diesem Kreis zu entkommen und solidarisch zu sein. Denn ein Lächeln oder eine Aufmunterung kommt irgendwie zurück. Davon bin ich überzeugt.

Oft lese ich in den letzten Monaten von so vielen Aufrufen. “Mütter in der Berufswelt”. Da muss sich was ändern. Das ist alles nicht fair. Dem stimme ich hundertprozentig zu. Da gibt es keine Frage. Aber ich denke kaum, dass wir es schaffen ein so großes, starres System wie die Arbeitswelt vom Wert der Mütter überzeugen zu können, wenn noch nicht mal im normalen Leben, in den kleinen Situationen des Alltags Wertschätzung vom unmittelbaren Gegenüber zu erkennen ist. Und oft lese ich, dass man sich so machtlos fühlt, im Bemühen, die Arbeitswelt für Mütter fairer zu gestalten. Das glaub ich sofort. Vielleicht wäre es ein erster Schritt, eben auch mal im Kleinen anzusetzen. Den Menschen, die einem täglich begegnen, klar zu zeigen, dass Mama sein eine ganz großartige Leistung ist. Egal in welcher Konstellation. Denn so ist es einfach.

Ich weiß, dass ich ich hier gerade einseitig berichtet habe. Es gibt sie, zum Glück, schon. Die Menschen, auch andere Mütter, die dir zulächeln, nette Worte verlieren. Die dich vielleicht mal aufmuntern. Die helfen, wen du sie brauchst. Diesen Menschen danke ich von Herzen. Nur müssten sie noch häufiger anzutreffen sein, das generelle Gesellschaftsbild formen. Denn noch beobachte ich das oben Beschriebene viel, viel zu oft.

So. Meinen Hormonen geht es besser. Das musste irgendwie mal raus. Ich habe im letzten Jahr einfach zu viele degradierende und zum Teil herablassende Sätze gehört. Darum war jetzt Psychohygiene nötig. Und jetzt geh ich raus und lächle einer Mutter mit Augenringen zu.

Kommentare

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    Aless

    Diese "Ungleichberechtigung" habe ich letztes Jahr über ganze 5 Monate ertragen müssen. Ich habe im Februar (Kind war 7 Monate alt) mein Referendariat angefangen und der Papa hat die restlichen 5 Monate Elternzeit genommen. (die ersten beiden haben wir parallel gehabt) Nun bekam ich Sätze ab wie "Du kannst doch dein Kind nicht allein lassen!", "Wie kannst du das deinem Mann antun?", "Schaffst du es denn jetzt noch, ihn genug zu unterstützen?", im Gegenzug wurde mein Mann in den Himmel gehoben, dass er es schafft unser Kind nicht verhungern zu lassen. (Natürlich hat er auch den Rest prima hinbekommen...). Im Gegenteil dazu musste er sich von seinem Arbeitgeber Sprüche anhören wie "Hast du denn keine ordentliche Frau zu Hause, die auf die Kinder aufpasst?", bzw. jetzt beim zweiten Kind "Aber du bleibst nicht wieder so lange zu Hause, jetzt ist deine Frau mal dran...". Mich hat vorher auch keiner gefragt, ob ich das hinbekomme. ;-) So, dann sollten wir jetzt mal anfangen, Mütter und Väter gleichermaßen wertzuschätzen. Für die gleiche Arbeit. In der Familie, wie auch überall sonst. Ich bin gespannt wer in der Gesellschaft noch so alles mitmacht...

    1. Sassi
      Sassi

      Liebe Alessandra, herrje, da hast du ja auch was hinter dir. Ich habe (und hatte auch in meinem Ref schon) großen Respekt davor, wenn jemand die Referendarzeit mit Kind wuppt. In diesem Fall sogar noch mit so einem kleinen Knöpfchen. Ich selbst fand das ganze Prozedere auch ohne Kind schon ziemlich anstrengend. Mhm, fehlende Anerkennung ist ja immer das eine, aber dann auch noch Vorwürfe hageln zu lassen, ist natürlich nochmal eine Schippe drauf. Es ist ja richtig, dass dein Mann so nette Worte hören durfte, aber wie wäre es umgekehrt gewesen? Also wenn du diese Elternzeit weiter genommen hättest. Wärest du so gelobt worden? Hätte man dich als Heldin verehrt? Dabei hätten es Mütter genauso verdient. Wenn alles gut lief, hat man sich in der Regel gemeinsam für ein Kind entschieden. Da ist es doch eigentlich nur selbstverständlich, dass beide Elternteile auch ihre Elternrolle erfüllen. Wie auch immer das in der einzelnen Familie dann aussieht. Der Mamapart darf dabei einfach nicht selbstverständlicher oder gar weniger Wert sein, als der des Papas. Könnte aber ein langer Weg werden, bis das so überall angekommen ist...Naja, irgendwo anfangen muss man ja mal. ;-)

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    Hanna

    Ja, so ist es...leider. Und alldem zum Trotz ertragen wir Mütter das alles und noch viel mehr, Hauptsache unseren Kleinen geht es gut. Fühl dich gedrückt, du bist nicht allein, das kennt wahrscheinlich jede Mama.

    1. Sassi
      Sassi

      Das hast du recht. Und viele haben auch keine Wahl. Aber hier und da ist es wichtig, nicht zu schweigen. Und mal klar zu sagen, dass es so nicht gehen kann. Dass das nicht fair ist. Vielleicht wechselt nur ein Einzelner seinen Blickwinkel, reflektiert mal. Aber das ist ja schon ein Gewinn. In diesem Sinne. Auf uns Mütter. (Auf die tollen Papas natürlich auch, aber Mamas hören es eben zu selten.)

  3. Avatar
    Frau

    Liebe Sassi, normalerweise kommentiere bin ich eine passive Leserin, aber nun muss ich doch mal kurz einen Kommentar hinterlassen. Ich finde deine Meinung und Wahrnehmung vollkommen richtig und unterstützenswert- und nehme es ganz ähnlich war. Schade finde ich nur den Titel. Dieser vermittelt einem "alles was jetzt kommt ist nicht ernst zu nehmen und lässt sich durch meine Hormone erklären" - auch da dies einer gern genutztem, m. M. nach ziemlich sexistischen Begründung entspricht ("die hat doch ihre Tage"), warum man eine weibliche Meinung nicht erst nehmen muss. Deine Meinung ist vollkommen berechtigt und darf doch gerne ohne vorweg genommene Entschuldigung veröffentlicht werden ;). Viele Grüße, eine Frau

    1. Sassi
      Sassi

      Liebe Leserin (huch, wie förmlich), da kann ich dir tatsächlich nur zustimmen. Als ich merkte, dass mich diese Kommentare zu meinem "Kurzurlaub" so schleichend wütend machten, konnte ich zunächst wirklich nicht einordnen, ob ich einfach nur angreifbarer und empfindlicher war und das Ganze vielleicht überbewertete. Dann schrieb ich darüber und bereits beim Schreiben wurde mir klar: "Hier geht es um mehr, als nur das überschwängliche Loben der Opfer meines Mannes." Das Ganze stand für ein generelles Problem. Für einen generellen Standpunkt und Blickwinkel in unserer Gesellschaft. Ich hatte zunächst gar nicht geplant, einen solch gesellschaftlichen Grundsatzbeitrag zu verfassen. Ist in meinen Texten oft so. Ich plane nicht viel. Ich hab einen Gedanken und dann geht's los. Der Rest kommt beim Schreiben. Am Ende empfand ich den zunächst gewählten Arbeitstitel dann eigentlich auch gar nicht mehr so passend, löste er vermutlich die gleiche Assoziation aus wie bei dir. Aber irgendwie ließ ich ihn stehen. Und stolperte tatsächlich beim erneuten Lesen meiner Worte schon wieder darüber. Ich denke, es ist an der Zeit diesem Beitrag auch bereits im Titel die Glaubwürdigkeit und Gewichtung zu geben, die ihm zusteht. Denn so viel sei versichert. Ich stehe dazu. Hormone hin oder her. :-) Also Danke für das wertvolle Feedback. Ich begebe mich dann mal in Denkerpose. Ich fahre heute mit dem Puck in einen Kurzurlaub. 7 Stunden Fahrt verschaffen mir Zeit für eine geniale Überschrift. Alles Liebe, Sassi

  4. Eure Herzensposts des Monats Juli (#Herzpost) – verflixteralltag.de

    […] Liniert-kariert: Von Heldenverehrung und zu viel Selbstverständlichkeit […]

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    Anna

    Liebe Sassi, Ich lese deinen Blog seit ein paar Wochen, so komplett von ganz alt bis ganz neu, hatte ihn zufällig über Twitter entdeckt. Deine Texte sind wundervoll geschrieben! So, zum Thema. Auch wenn ich (noch) keine Kinder habe, begegnen mir diese Stereotypen regelmäßig. Ich bin eine von wenigen Frauen in einem „Männerjob“ und habe daher tagsüber vor allem Männer um mich herum. „Die hat wohl ihre Tage“-Kommentare gibt es zum Glück nicht, oder sie werden wenigstens nur untereinander gemacht. Hab halt echt nette Kollegen, übrigens international und interkulturell. Trotzdem tauchen diese alten Rollenbilder immer wieder auf, meistens eher subtil und zwischen dem Zeilen. Nur mal ein Beispiel: Ich habe mal gesagt, dass mir Joggen einfach zu langweilig ist. Einer meiner Lieblingskollegen meinte daraufhin, dass er beim Laufen endlich mal in Ruhe nachdenken könne. Ich habe daraufhin erwidert, dass ich schon beim Hausputz, Bügeln, Kochen... manchmal mehr Zeit zum Nachdenken habe als mir lieb ist. Konnten er und die anderen Männer nicht wirklich nachvollziehen - meine wenigen Kolleginnen haben nur wissend gelächelt. Vor etwa einem Jahr gab es dann doch mal einen sehr unschönen Moment, der mich wochenlang beschäftigt hat. Eine Projektpartnerin, kinderlos, geschätzt um die 50, meinte laut und deutlich zu mir (damals 27, noch kinderlos), dass Mütter keine guten Wissenschaftlerinnen sein können. Punkt. Gut zu wissen, dass ich bei ihr unten durch bin, wenn ich irgendwann mal mit Babybauch herumlaufe. Ich finde es wirklich schade, dass es für viele immer noch selbstverständlich ist, dass die Frauen sich um den Haushalt und die Kinder kümmern - aber bitteschön auch arbeiten, der Gender Balance wegen. Mich nervt es tierisch, wenn Kollegen Anerkennung bekommen, weil sie sich zuhause um das kranke Kind kümmern - oder wenn die Kollegin immer diejenige ist, die zuhause bleibt, obwohl es beim Mann beruflich genauso gut oder schlecht geht. Du hast bei mir einen Nerv getroffen. Ich glaube ich schreibe später auch mal darüber in meinem (noch sehr neuen) Blog... http://flauschfaktor.dataorigin.myds.me

    1. Sassi
      Sassi

      Danke für diese ausführliche Antwort. Was für doofe Sätze du dir anhören musstest. Ja, Mütter in der Arbeitswelt und vielleicht auch generell erhalten viel Gegenwind. Egal wie dein Weg weitergeht, hoffe ich auf gute Erfahrungen! Und alles gut für dein neues Blog!

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