Neuland…

Zugegeben. Ich komme derzeit nicht viel zum Lesen. Genauer gesagt zum Lesen von Büchern. Damit ich literarisch aber nicht völlig den Anschluss verliere, so als unter anderem studierte Germanistin, schaffe ich zumindest hier und da eine Hörbuchversion.

Ich muss außerdem gestehen, dass meine Kost in den letzten Monaten dabei eher leichter Natur war. Das war einfach meinem Alltag geschuldet. Der Puck, der Job, unser Leben forderten einfach so viel Energie, dass ich froh war, etwas abschalten zu können. Und so richtig harten Tobak verkrafte ich auch nicht. So seit der Mutterschaft und so.

Eine meiner Lieblingsautorinnen für den Wohlfühlfaktor beim Lesen ist nun Ildikó von Kürthy. Ihr wisst schon, die von “Mondscheintarif”. Ich mag ihren Humor, ihre Sprache und ihre meist sehr gewöhnlichen Held(innen) des Alltags. Ihr Buch über ihre Mutterschaft “Unter dem Herzen. Ansichten einen neugeborenen Mutter” war eines der wenigen Bücher diesen Genres, dass ich wirklich, wirklich gern gelesen habe. Es war so schön normal, mit einer gut platzierten und wohldosierten Portion Humor und so ungespielt liebevoll. Das andere gern Gelesene war übrigens “Völlig fertig und irre glücklich” von Okka Rohd.

Kurzer Einschub:

Ich oute mich hier nämlich mal. Ich bin dieser ganzen “Hey, guckt mal, ich bin Mama und schreibe jetzt mal ganz geistreich witzig über Babykacke”-Romane absolut überdrüssig. Die Facetten des Mutterseins mit Humor betrachten? Kein Problem. Passiert auf vielen Blogs. Auch auf meinem. Und ich lese das gern. Weil es doch echt ist. Und aus dem wahren Alltag einer Familie direkt erzählt wird. Aber diese Bücher? Der Reihe nach ziehen die sich oft selbst als Rabenmütter feiernden Neumamas über die Klassiker der Babyzeit (Elefantenschwangerschaft, Horrorgeburt, Babykotze, Babykacke, PEKIP-Kurse, Globuli, Bubu und Baba) her. Mit vermeintlich spritzigem Sprachwitz. Nicht. Dann werden noch schnell die “Ökokost-Still-Tragetuch-DIY”-Mamas aufs Korn genommen, von denen man sich mit aller Coolness distanziert. Ja, ja, alles schön und gut und ich kann hier rummäkeln, habe ich doch selbst noch kein Buch geschrieben. Neid und so. Aber über Geschmack lässt sich eben nicht streiten. Und meiner ist diese Art von Literatur eben nicht. Gegen die Autorinnen selbst hab ich nichts. So.

Was wollt ich denn nun eigentlich mit dem heutigen Text? Ach ja. Die Ildikó. Da war ich. Hat ein neues Buch verfasst, die Gute. “Neuland. Wie ich mich selber suchte und jemand ganz anderen fand.”

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Das habe ich mir schon vor einer Weile in der Hörbuchfassung zugelegt und kam nun auf meiner Wochenendreise mal in Ruhe dazu, es auch anzuhören. Die Kritiken, z.B. auf Amazon, waren eher so gemäßigt. Beschuldigten die Autorin einer gähnenden Oberflächlichkeit. Es wäre ja nichts Neues. Hat man schonmal gelesen. Was will sie damit eigentlich?

Ich möchte nun auch mal kurz rückmelden. Das Buch ist autobiografisch und beschreibt recht ungeschmückt die Sorgen und Gedanken einer Frau in den Vierzigern, die sich rapide auf die magische 50 zubewegt. Es wird ein Leben reflektiert und einer Prüfung unterzogen. Es werden Vorsätze gemacht, kleine Wagnisse gewagt, ausgemistet und experimentiert. Es erinnert vielleicht ein bisschen an “Eat. Pray. Love.” Also so vom Grundprinzip. Selbstfindung eben. Aber bei diesen ganzen Selbstfindungsbüchern, die mich oft in einer “Wuaaahhh, MUSS mein Leben radikal über den Haufen werfen”-Stimmung zurücklassen, werden eben auch oft genau diese radikalen Wege gegangen. Von Kürthy erfreut sich eines weitgehend sehr zufriedenstellenden Lebens. Sie begeht daher die Veränderungen im Kleinen. Zum Schweigen in ein Kloster fahren. Meditieren lernen. Ernährungsexperimente. Schönheitsprozeduren. Eine Nacht im Hospiz. Outdoortraining. Schauspielkurse. Selbstverteidigung. Sowas. Dinge, die du und ich ohne Weiteres auch angehen können. Wenn man denn möchte. Besonders der Punkt mit dem “Schönreden” wird heftig kritisiert. Dabei beschreibt sie sehr überlegt und ehrlich, dass sie sich ihr Leben lang wünschte, einmal so auszusehen, wie die im Katalog. Blond, schlank, faltenlos. Also jammert sie nicht mehr, sondern setzt es um. Auch recht radikal. Um es endlich zu wissen. Und um festzustellen, dass sie nicht mehr sie selbst ist. Dass es ihr nicht gefällt. Und dass sie jahrelang einem Ideal nachträumte, dass sich, wenn man es erreicht, nicht gut anfühlt. Dass nicht befriedigt. Eher traurig und wütend macht. Wichtige Botschaft. Durchaus.

Ein Kapitel hab ich sogar direkt umgesetzt. Naja, ich habe angefangen. Die Autorin erzählt, dass all der Plunder, der Kleinkram, all die Klamotten, die wir im Laufe der Jahre in unseren Leben und in unseren Wohnungen horten, Energiefresser sind. Die immer irgendwo in unserem Hinterkopf herumschwirren. Dachböden, Abstellkammern, übervolle Regale, platzende Kleiderschränke. All das kostet leise schleichend Energie. Und sie beschreibt dann ihre befreiende Entrümpelungsaktion. Im Zuge unseres Umzugs habe ich das ebenfalls getan. Ich habe erkannt, dass mir in meinen wuseligen, vollen und hektischen Alltag eine Reduktion meiner Umgebung hilft. Gerümpel raus. Klarheit her. Hat gut getan.

Nur mein Kleiderschrank. Ja der beherbergt noch meine Garderobe der letzten 20 Jahre. Und das ist nicht mal übertrieben. Immer mal wieder nehme ich mir das Ausmisten vor und trenne mich dann doch nur von einer Hose und drei Shirts. Wenn überhaupt. Aber diesmal wollte ich loslegen. Also habe ich vorgestern mal ehrlich geprüft. Und mein Konsum war mir dann durchaus peinlich. Das möchte ich nicht mehr. Ich möchte verantwortungsbewusster einkaufen. Ich möchte endlich wieder Lieblingsteile. Weniger Auswahl. Aber dafür einen Bezug zu meinen Sachen. Ich sortierte aus. Jede, jede Menge. Ich wollte Vorher-Nachher-Bilder machen. Habe ich auch. Aber die wirken mal so gar nicht. Aber das ist egal. Ich weiß, was da jetzt alles raus ist.

Vorher…

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Nachher…

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Ich sag ja, man sieht nicht viel. Leider. Aber Ich habe die Hälfte meiner Hosen aussortiert. Und gut 1/3 der hängenden Sachen sind derzeit Umstandsmode. Die haben ja auch ein Verfallsdatum. Und das andere Drittel gehört dem Mann. Wir teilen den Schrank. Oben gehört auch dem Mann. Alle seine Shirts und Pullis.

Vorher…

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 Nachher…

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Das sind meine Jacken. Gut 1/3 ist aussortiert. Auch wenn man das ebenfalls nicht sieht. Die Hälfte meiner Röcke. Und gut 1/3 meiner T-Shirts. Das kann man oben sogar sehen. Immerhin.

Also ab jetzt gehe ich bewusst einkaufen. Mit Ziel. Und Sinn und Verstand. Das ist ja wirklich peinlich. Also mir. Bleibt die Frage, was mit den aussortierten Dingen geschieht. Ich habe schon bei den wohltätigen Adressen angefragt, aber die sind derzeit gut versorgt. Sehr soziale Menschen in meiner Stadt scheinbar. Einfach in den Container find ich doof. Vieles ist noch sehr, sehr tragbar und ich würde gerne wissen, wo es landet. Wenn ihr versteht. Wenn jemand eine gute Idee hat. Für Ebay fehlt mir die Muße. Und auf einem Flohmarkt möchte ich derzeit auch nicht so gern stehen. Verständlicherweise.

So. Vielleicht kein so wertvoller und toller Beitrag heute. Einfach mal Gedanken niedergeschrieben. Könnte man wohl sagen. Befinde mich ja noch im Bloggerstadium “Ich schreib mal, was grad so kommt.” Eigentlich schön.

Und nochmal. Ich gelobe Besserung. An der Konsumfront.

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