Wenn einer eine Reise tut,…

Wie versprochen, berichte ich heute von meiner Wochenendreise. Die war nämlich etwas Besonderes. Zum einen, weil Bayern für mich eine große Bedeutung hat, zum anderen, weil ich dort meine beste Freundin besuchte und schließlich, weil ich dort allein hinfuhr. Also so allein, wie man als Schwangere eben ist.

Die (lange) Vorgeschichte…

Ich hab da bald so einen magischen, runden Geburtstag. Den mit der 3 davor. Ihr wisst schon. Und auf die Frage meines Mannes, was ich mir denn wünsche, sagte ich, dass ich eigentlich nichts brauche. Aber einmal alleine wegfahren. Auch nicht lang. Vielleicht ein Wochenende. Das würde ich sehr gerne noch schaffen. Dafür brauche ich eben meinen Mann. Der Betreuung wegen. Da meine Schwiegereltern nicht vor Ort leben, meine Eltern auch nicht direkt um die Ecke wohnen und zudem noch berufstätig sind und meine Großeltern auch oft ihre eigenen Verpflichtungen haben, haben wir für den Puck leider kein ausgeklügeltes Betreuungssystem. So mit Backups und so. Hinzu kommt, dass der Kleine so ein ganzes Wochenende woanders auch einfach noch nicht ganz packen würde. So einen Tag bei Oma und Opa findet er toll, aber abends braucht er noch sehr seine vertraute Umgebung und Mama oder Papa. Und das ist ok.

Nun mussten für die Erfüllung meines Wunsches verschiedenste Rädchen ineinandergreifen und genaue Pläne gemacht werden. Geäußert habe ich den Wunsch im Frühjahr, ich glaube, im März. Mir war klar, ich kann erst fahren, wenn 1. ich genügend Vertrauen in die ganze Situation und alle Beteiligten aufgebaut habe, um wirklich unbeschwert zu fahren, wenn 2. der Puck wirklich bereit für diese Trennung ist und wenn 3. die Firma des Mannes so strukturiert und erfolgreich läuft, dass er sich auch zwei Tage halbwegs ausklinken kann. Gar nicht so einfach.

Wir legten das mögliche Wochenende in den Juli. Auch der Sommerferien wegen. Eine lange Reise mit aufregendem Wochenende wäre nämlich durchaus nachhaltig anstrengend geworden, hätte ich am Montag gleich wieder Vollzeit auf der Matte stehen müssen.

Im Laufe der voranschreitenden Monate wurde schnell klar, dass der Puck und ich einen natürlichen Abnabelungsprozess durchlaufen. Er wandte sich (endlich) auch dem Papa zu und beachtete mich nicht mehr, wenn wir bei seinen Lieblingsmenschen waren. Ein Prozess, der ganz normal ist und auch seine Sicherheit zeigt. Und auch wenn ich mir das natürlich lange gewünscht habe, war ich hier und da fast manchmal ein wenig traurig oder beleidigt, wenn ich mal wieder abgemeldet war. Pöh.

Da ich im Laufe des Jahres ja abends zumindest ein paar Mal ausgehen konnte, wussten wir, dass das Schlafen bei Papa überhaupt kein Problem mehr darstellte. Im Gegenteil. Er wollte auch immer wieder lieber von Papa ins Bett gebracht werden und auch nachts darf ihn jetzt auch Papa mal trösten, nicht nur Mama. Auch wenn das noch die Zeit ist, in der er noch eher mich einfordert. Alle 2-3 Stunden. Noch immer. Na gut. Wie gesagt, Papa geht da jetzt aber auch mal.

Sprachlich und auch vom Verständnis her ist er nun so weit, dass man ihm einfach erklären kann, was gerade so passiert. Vor ein paar Wochen durfte ja der Papa 5 Tage auf Reisen gehen. Wir erklärten dem Kleinen, dass der Papa mit dem ICE nach München fährt, was er dort tut, wann er wieder kommt und so weiter. Diese Tage waren dann gar kein Problem. Er erzählte dann jedem, wo sein Papa gerade hingefahren war und dass er bald wiederkommt. Sehr niedlich.

Gut, der Puck würde diese Trennung also gut schaffen, das habe ich einfach gespürt. Blieb noch meine Fähigkeit dazu. Da ich aber in den letzten Monaten eben auch immer mehr Vertrauen darin gewann, dass der Kleine einfach so weit ist und vor allem darin, dass der Mann das auch schafft (Er ist ja sonst nicht so oft da.) waren auch von meiner Seite die Weichen gestellt. Fehlte nur noch die letzte und eigentlich größte Hürde. Der Mann müsste sich so lange Zeit nehmen können. Wie gesagt, legten wir schon Wochen im Voraus das Wochenende fest, verschoben es zwar nochmal, aber der Grundplan blieb. Ich würde freitags fahren, eher am späten Nachmittag. So kann ich den Puck noch von der Tagesmutter abholen und der Papa noch einen Großteil des Tages arbeiten. Am Samstag würde er dann Homeoffice betreiben, während des Mittagsschlafes des Kleinen und abends. Und Sonntag müsste ich eben rechtzeitig aufbrechen, so dass der Mann im Notfall den Nachmittag zur Verfügung hätte, sollte sich zuviel Arbeit angestaut haben.

Genau so wurde es geplant und mit dem Buchen der Zugtickets auch besiegelt.

Warum erzähle ich die ganze Vorgeschichte? Nun ja. Manch einer muss vielleicht wirklich lächeln, wenn er das alles so hört. Und vor allem wer noch keine Kinder hat, wird sich schnell denken: “Herrje, was stellt sie sich denn so an?” Absolut verständlich, habe ich doch in meiner noch kinderlosen Zeit auch oft so gedacht (*schäm*). Mir war damals einfach nicht klar, was für ein logistisches und auch emotionales Meisterwerk so ein “Ausklinken von Mama” sein kann. Ich wusste nicht, dass Abnabeln und Trennen einen wirklichen Lernprozess darstellen. Einen kleinschrittigen. Mit Erfolgen und Rückschritten. Wie das beim Lernen eben so ist. Ich habe vielleicht faktisch gewusst, welche Faktoren die Flexibilität von Müttern einschränken (Stillen, schwierige Entwicklungsphasen, Kranksein der Kinder, fehlende Betreuung), aber so recht verstanden habe ich es einfach nicht. Das kann man nicht. Wie auch? Darum sei hier eben mal ein Einblick gegeben. Auch für mich nochmal. So als Reflexion.

Das eigentlich Event…endlich…

Und nach all der Planung und dem eben beschriebenen Lernprozess standen wir zu dritt am Gleis und warteten auf meinen ICE Richtung München. Bereits nach 5 Minuten wurde der kleine Mann quengelig. Er wolle jetzt mit Papa spielen und nach Hause gehen. Das sagt er auch so klar. Der Zug kam, ich kuschelte und knutschte, der Kleine winkte noch kurz und sagte “Mama, ICE fahren zu Susi, du (= so bezeichnet er sich manchmal) bei Papa bleiben. Bis später, Mama.” Und dann wollte er endlich los und sich bewegen. Na gut. Ich stieg in den ICE, winkte nochmal und sah dann, als wir aus dem Bahnhof rollten, schon Papa und Sohn quietschvergnügt davonziehen. Ach, was war ich aufgeregt, wie wohl der Moment der Trennung dann verlaufen würde. Dass das dann so positiv und unkompliziert verlief, war für mich der perfekte Start in diese Tage und vor allem das klare Signal, dass es richtig war, auf den richtigen Reisemoment für uns alle zu warten.

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Die erste Stunde war noch etwas komisch. So allein. Ohne Verpflichtung. Aber dann begann das Genießen. Ich schaute einen Film, daddelte etwas auf dem Handy, las ein Buch und war ratzfatz in München angekommen. Noch ein bisschen U-Bahn fahren und schon konnte mich meine beste Freundin am Bahnhof in die Arme schließen. Hach.

Es war der Beginn eines wirklichen tollen Kurzwochenendes. Freitag Abend saßen wir in erster Linie einfach da und quatschten. Ich etwas mehr. Kann ich gut. Das mit dem Reden. Wir gingen spät ins Bett. Ich war ganz euphorisch nervös. Die erste Nacht ohne Kind. Durchschlafen. Krass. Gegen 2.00 Uhr schlief ich ein. Und um Punkt 6.00 Uhr war ich wieder wach. Na toll. Ich konnte mich dazu überreden, bis 8.00 Uhr zu schlafen. Aber mehr ging nicht. Na gut. Also las ich, bis auch meine Freundin wach wurde. Nach einem gemütlichen Start mit Frühstück und so zogen wir in die Innenstadt und füllten den Rest des Tages mit Kaffee, Essen und ganz viel Bummeln. Also Shoppen. Ihr wisst schon. Ich bin da ja ein wenig eingeschränkter in der Auswahl. Fand aber doch Dinge wie z.B. meine neuen (ziemlich rosafarbenen) Sneaker.

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Liebe.

Auch meine Freundin ging erfolgreich auf Beutezug und so kamen wir recht geplättet, mit vollen Tüten und leerem Geldbeutel pünktlich zum Deutschlandspiel zu Hause an.

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Wir breiteten unsere Schätze im Wohnzimmer aus. Führten vor. Kombinierten zur bestehenden Garderobe. Zweifelten an dem ein oder anderen Kauf. Knuddelten auserkorene Lieblingsstücke. Was man halt so macht. Nach einer Shoppingtour.

Zum Spiel bestellte ich Pizza und Eis. Ein Schokoeis, welches wir vor allem in den letzten Minuten dieses Fußballkrimis aus reinem Stress unserem Körper zuführen mussten. Meine Güte. Manche Elfmeter musste ich richtig veratmen und mit lauten Gekreische bejubeln oder verfluchen und so kam meine liebste Freundin auch in den Genuss eine kleine Vorschau und einen Eindruck in das bevorstehende Geburtserlebnis zu erhaschen. Hörte sich wohl sehr ähnlich an. Hihi. Wir gingen dann wieder spät ins Bett und meine innere Uhr weckte mich erneut um 6.00 Uhr. Ich döste noch bis kurz vor 8.00 Uhr. Soviel zu meinem ersten Durchschlafen. Und Ausschlafen. Nicht.

Da ich ja bereits morgens wieder abreisen musste, packte ich rechtzeitig, wir frühstückten noch und ich machte mich reisetauglich frisch. Und viel zu schnell mussten wir uns verabschieden. Unfassbar wie schnell diese Stunden vergingen. Schnipp. Quasi.

Während der knappen 2 Tage wurde ich vom Mann regelmäßig mit Bildern und Text über den Stand der Dinge aufgeklärt. Telefoniert haben wir bewusst nicht. So war es genau richtig.

Die Rückfahrt war leider ziemlich beschwerlich. Mir ging es irgendwie nicht gut. Ich hatte richtige Hitzewallungen, der Zug war nicht gut klimatisiert, mein Schnupfen ärgerte mich, es war eng und ich konnte nicht gut sitzen.

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Zumindest verhungern musste ich nicht.

Als ich nach 2 Stunden umsteigen musste, war ich froh, mal kurz an die Luft zu kommen. Die weiteren 2 Stunden waren etwas besser. Aber ich kam ziemlich erschöpft zu Hause an. War schnell vergessen, denn der Puck rannte mir in die Arme, erzählte mir, dass ich mit dem ICE bei “Anti (=Tante) Susi” war und fing erstmal in einem unfassbaren Erzählschwall an, mir von seinem Wochenende zu erzählen, welches er scheinbar ganz toll fand und super gemeistert hat.

Abends ging ich im Übrigen erschöpft direkt mit dem Puck ins Bett. Erschöpft aber über alle Maßen glücklich. Wie toll alles geklappt hat. Und wie schön und wichtig diese Zeit für mich war. Denn bald kommt da ja eine neue Aufgabe. Und das Reisen allein wird erstmal wieder nicht mehr möglich sein. Aber jeden, der mich mich zu zweit oder dritt akzeptiert, ja, den besuche ich natürlich trotzdem nicht erst in zwei Jahren wieder.

In diesem Sinne, danke an alle, die das möglich machten. Der Academy und so. Und ich wünsche mir den Weltfrieden.

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