Herausforderung Schwangerschaft

Auch meine zweite Schwangerschaft neigt sich so langsam dem Ende zu. Noch gute 5 Wochen. Vielleicht etwas mehr, vielleicht etwas weniger. Das wird sich zeigen. Diese Schwangerschaft war absolut gewollt, der Mini-Puck ein Wunschkind. Und im Grunde kann ich mich eigentlich nicht beklagen. Es verlief im Großen und Ganzen alles ruhig. Von den typischen Beschwerden blieb und ich bleibe ich bisher verschont. *aufHolzklopf*

Dennoch sind Schwangerschaften große Herausforderungen für mich. Und so sehr ich meinem Körper dankbar für diese nicht selbstverständliche Leistung bin und so sehr ich mich auf das Produkt dieser 40. Wochen freue, so richtig, richtig gerne schwanger bin ich nicht immer. Das sag ich jetzt hier mal ganz offen und ehrlich und erzähle euch auch mal ein bisschen warum.

Vertrauen

Ich habe gerne alles unter Kontrolle. Also alles was mich und mein Leben betrifft. Größenwahnsinnig bin ich dann doch nicht. Ich regle die Dinge gern selbst. Gehe den Sachen bis auf den letzten Grund, um sie ganz genau zu verstehen und sie damit eben so gut wie möglich unter Kontrolle zu haben. Ich halte meine Fäden selbst in der Hand. Also die, die ich kann, natürlich. Ich überlasse wenig dem Zufall. Ich möchte maximale Selbstbestimmung. Ich bin dabei keine Furie unter Kontrollwahn. Ich mach das in Ruhe, unaufdringlich und für mich. Und ich kann dennoch sehr spontan und flexibel sein. Dazu muss man ja die Fäden nicht abgeben. Wer jetzt mal kurz weiterdenkt, ahnt schon, dass das Mamasein eine ziemliche Herausforderung für mich war. Freiheit aufgeben. Und alles unter Kontrolle haben? Haha. In der Familiensituation des letzten Jahres musste ich natürlich alles im Überblick haben, genau managen und “kontrollieren”. Aber im Umgang mit meinem Kind geht das eben so nicht. Und nach den ersten anstrengenden Wochen entschied ich mich dafür, dass das gut so ist und ließ die Dinge laufen. Ich ließ mich darauf ein. Und es tut gut.

Mit einer Schwangerschaft gelingt mir das weitaus schwieriger. Dieses Einlassen. Das Vertrauen. Ich kann hier nicht viel kontrollieren. Ich kann mich natürlich an ein paar Empfehlungen und Regeln halten, aber das ist ja keine Garantie für irgendwas. Ich bin im Grunde trotzdem eine recht pflegeleichte Schwangere. Körperlich fit. Trotz Hormonen sehr nett zu meiner Umwelt und nicht mal sonderlich unsicher. Vor allem jetzt nicht mehr. Beim zweiten Mal. Und dennoch fällt es mir schwer, einfach darauf vertrauen zu müssen, dass schon alles seinen Gang geht. Ich will die Dinge ganz genau wissen. Will wissen, was da in mir vor sich geht. Ich google nicht viel. Das wäre mein Verderben. Aber ich löchere meine Hebamme und meinen Arzt. Weniger aus Unsicherheit, sondern weil ich, wie erwähnt, den Dingen maximal auf den Grund gehe. Das ist meine Natur. Das macht mich ruhig. Paradox was? Krasseste Geburtsgeschichten, die kindliche Entwicklung, all das sauge ich auf und verschaffe mir Überblick. Und werde entspannter.

Diese Schwangerschaft fordert mich und meine Schwierigkeit mit dem Vertrauen nun sehr heraus. Zum Beispiel: Der Mini-Puck ist zart. Teilweise war er gewichtstechnisch so hinterher, dass regelmäßig seine Versorgung überprüft wurde. Die war super. Manch einer wäre nun zufrieden und würde die Tatsache eines leichteren Kindes einfach annehmen. Ist dann halt so. Ich kann das nicht so recht. Bei mir geht das Gedankenkarussell an. “Ist doch komisch, plötzlich so ein kleines Kind. Wo doch in unserer Familie so gut wie niemand unter 4 Kilo wog. Der Puck war so ein Riese. Das stimmt doch was nicht. Und werden die zweiten nicht meist sogar noch größer? Grad bei kurz aufeinanderfolgenden Schwangerschaften. Ob der Mini gut versorgt ist? Muss ich mich doch mehr schonen? Misst die Frauenärztin auch richtig? Die ist ja doch immer so husch, husch.” Naja und so weiter. So uncool werde ich dann. Dazu steh ich hier mal. Wenn mir nun aber meine sehr geduldige Hebamme die möglichen Ursachen und Sachverhalte bis ins Detail erklärt (auch unangenehme). Dann ist ok. Dann hab ich das Gefühl, zu wissen, was in mir passiert.

Und nun meine größte Herausforderung derzeit. Die Beckenendlage meines Kindes. Ich kann daran nicht viel ändern. Der Mini liegt, wie er liegen will oder muss. Es gibt ein paar Tricks, ein paar davon versuchen wir, aber eher weniger. Und nun sitze ich hier (ebenso wie der Zwerg) und grüble und grüble. Und taste und taste. Es verfolgt mich in meinen Träumen. Ich achte auf jedes Ruckeln, jede Bewegung. Ich bin total fixiert. Und unfassbar genervt. Ich würde so gerne vertrauen. Darauf, dass das schon noch wird. Dass da einfach wahnsinnig viel Platz ist. Darauf, dass die Natur ihre vernünftigen Wege geht. Darauf, dass ich vielleicht sogar in Steißlage spontan entbinden kann. Naja, darauf eben. Ist so gar nicht meine Stärke. Aber vielleicht soll ich das jetzt lernen. Mit dem Loslassen und Vertrauen. Das mit der Zuversicht. Ich kann in so vielen Dingen Optimist sein. Vielleicht werde ich das nun auch hier. Ich glaube ein bisschen daran, dass schon alles irgendwo seinen Sinn hat.

Geduld

Gehört ins gleiche Register wie das mit dem Vertrauen. Warten. Den Dingen ihre Zeit lassen. Ui, das fällt mir sehr, sehr schwer. Wieder etwas, was beim Puck ein kleiner Lernprozess war, ich dort aber super annehmen konnte. Entgegen meiner Erwartung und der vieler anderer bin ich mit ihm dermaßen geduldig, dass ich mich kaum selbst erkenne. Ach dieses Mamasein hat mir tolle neue Facetten beschert. Ich sag’s ja immer wieder. Aber auch hier – außerhalb des Umgangs mit meinem Sohn ist Geduld nach wie vor so gar nicht meine Tugend und für meinem Mann vermutlich eine meiner, sagen wir mal, herausforderndsten Eigenschaften. Und auch hier ahnt ihr’s schon. So eine Schwangerschaft braucht Geduld. Jede Menge Geduld. 40 Wochen sind eine lange Zeit. In der es gilt, zu warten und den Lauf der Dinge geschehen zu lassen. Ha ha. Dann erneut die Beckenendlage, bezüglich derer ich nichts tun kann außer zu – richtig – warten. In den letzten drei Wochen und vor allen den letzten Tagen vor der Geburt des Pucks war ich dermaßen hibbelig und ungeduldig. Das war mir schon fast peinlich. Gleichzeitig fand ich dieses Warten auf mein Baby toll. Und aufregend und spannend. Das war durchaus eine wertvolle Sache.

“Schwach” sein

Dass ich gern alles unter Kontrolle habe, selber machen will und nur wenig abgeben kann, hat unter anderem mit meiner Kindheit zu tun. Davon aber mal ausführlicher ein anderes Mal. Dieser Punkt hier gehört ebenfalls dazu. Ich will immer stark sein. Erlaube mir nur selten ein Straucheln. Den Menschen in meiner Welt gestehe ich das jederzeit zu und bin immer zur Stelle. Aber ich selbst. Nein, ich muss und will immer der Fels sein. Ich bin gleichzeitig ehrlich. Natürlich gibt es blöde Phasen in meinem Leben oder ich bin mal krank. Dazu stehe ich dann durchaus. Also gegenüber meinen Vertrauten und Liebsten. Aber eben nur dann, wenn ich es auch mir eingestehe. Also wirklich realisiere, das gerade etwas nicht gut ist. Und das kann manchmal sehr, sehr lange dauern. Denn die Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Die klappt nicht immer.

Eine Schwangerschaft ist auch hier also eine Herausforderung für mich. Eine Schwangere Frau wirkt schutzbedürftig. Ist ja im Grunde auch gut und richtig so. Dauernd wird einem Hilfe angeboten, einem Sachen abgenommen, gefragt, wie es einem geht. Das ist furchtbar lieb, aber ich kann damit nur schwer umgehen. Lächerlich, was? Dann kamen am Anfang dieser Schwangerschaft leichte Blutungen und mit ihnen die Anordnung zur Schonung und das kurzzeitige Beschäftigungsverbot. War alles andere als einfach für mich. Konnte ich kaum hinnehmen. Seit der 33. Woche ist mein Muttermund leicht geöffnet. Wieder die Bitte um Schonung. Wieder Beschäftigungsverbot.

Ich fühle mich eingeschränkt. Man muss auf mich Rücksicht nehmen (Auf diese Weise stehe ich nun überhaupt nicht gern im Fokus!). Das mag sich wirklich lustig anhören, aber ich kann da nicht aus meiner Haut. Aus Gründen.

Mein Körper

Welch Überraschung. Eine Schwangerschaft bringt körperliche Veränderungen mit sich. Gewaltige. Um genau zu sein. Und ich gebe hier ebenfalls zu, dass das für mich gar nicht so leicht ist. Ich habe kein sonderlich tolles Selbstbewusstsein. Meine Kindheit. Ich erwähnte es. Vor allem nicht in Bezug auf mein Aussehen und meinen Körper. Ich hab mich lange nicht ohne Make-up aus dem Haus getraut. Und durchaus sehr penibel auf meine schlanke Figur geachtet. Mit dem Alter und auch mit dem Mamasein wurde es besser. Aber viele Dinge sitzen zu tief, als dass ich da je so richtig selbstbewusst werde. Befürchte ich. Und so betrachte ich jedes Kilo auf der Waage während dieser Schwangerschaftszeit mit Argwohn. Untersuche genau auf Streifen. Erfreue mich an einem eher kleinen Bauchumfang. Verfluche meine hormonell bedingt unreine Haut. Kriege Angst bei dem Gedanken, wie wohl mein Busen nach dem zweiten Mal stillen dann aussieht.

Ich nehme diese Veränderungen hin, akzeptiere sie auf dem Weg zu meinem Wonneproppen und ich werde trotzdem auch diesmal sehr, sehr gerne stillen. Aber ich bin leider nicht so cool, gelassen und selbstbewusst, wie es andere Frauen sind. Die ich dafür bewundere, mit welchem Stolz sie zurecht (!) zu ihren After-Baby-Bodys stehen.

Wehwehchen

Wie ja schon des Öfteren mitgeteilt, kann ich mich in diesem Feld wirklich wenig beklagen. Ich habe keine Wassereinlagerungen. Mein Bauch ist eher klein. Mir wird nichts abgedrückt. Sodbrennen kenne ich nicht. Mein Rücken ist auch nicht verspannter als sonst mal. Meine Verdauung spielt mit. Dennoch zwickt und zwackt es auch bei mir mal. Und das sind dann doch die i-Tüpfelchen.

Es sei gesagt…

… dass ich trotz allem sehr, sehr, ja, wirklich sehr dankbar dafür bin, dass meine Schwangerschaften so ablaufen. Vergleichsweise glimpflich. Das ist nicht jedem vergönnt und ich empfinde das als großes Geschenk. Ich weiß, was mein Körper leistet und bin da stolz drauf. Überhaupt schwanger werden zu können. Und das jedes Mal sofort. Das ist so gar nicht selbstverständlich.

Ich möchte also nicht undankbar sein. Aber ich wollte mal ehrlich loswerden, dass so eine Schwangerschaft dennoch nicht einfach für mich ist. Ich muss vertrauen, geduldig sein, Schwäche zeigen, körperliche Veränderungen annehmen und das ein oder andere Wehwehchen ertragen. Und vor allem die ersten Aspekte kollidieren mit grundlegenden Persönlichkeitszügen meinerseits.

Ja, so ist das, mit mir und meiner Schwangerschaft.

Aber wisst ihr was? Auf das Ergebnis freue ich mich unbändig. Ich bin geradezu euphorisch, wenn ich an das nagelneu duftende kleine Paket denke, dass in ein paar Wochen schon in meinen Armen liegt. Dann kann ich’s kaum erwarten. Geduld und so.

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Kommentare

  1. Avatar
    Hanna

    Ich kann dich so gut verstehen. Mich hat es auch extrem beunruhigt, dass niemand mit Sicherheit weiß, was da drin vor sich geht. Wenn das Kind draußen ist, kann man zumindest sehen, ob es ihm gut geht...

    1. Sassi
      Sassi

      Allerdings. Das Sorgenkarusell hört dann irgendwie auch nicht auf. Aber ich hatte so in real eine andere Ruhe.

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