Die 30 #4 “Mama sein”

So, weiter geht’s. Heute gibt es 30 Fakten rund um mein Dasein als Mama. Das ist im Grunde genommen erst zwei Jahre alt. Aber gemessen an der Intensität dieser Zeit sprechen wir hier von einer Ewigkeit.

  1. Ich hab erst im späten Teenageralter überhaupt mal darüber nachgedacht, ob ich mal eine Mama sein möchte.
  2. Damals wollte ich auf jeden Fall ganz jung Mama werden. Möglichst gleich im Studium. Mit 30 sollte spätestens alles abgeschlossen sein.
  3. Da ich zu jener Zeit ein wenig hypochondrisch veranlagt war, konnte ich mir aber nicht so recht vorstellen tatsächlich schwanger zu werden oder zu sein. Die ganzen Ärzte. Und was die alles finden könnten.
  4. Das Thema Geburt war für mich bis zu meiner tatsächlichen ersten Schwangerschaft negativ besetzt. Ich wollte so etwas schmerzhaft Furchtbares nicht erleben und war mir sicher, dass der Weg der Adoption für mich der richtige werden würde.
  5. Die Schwangerschaft des Pucks war einmalig riskiert, aber nicht wirklich geplant.
  6. Die größte Herausforderung dieser Zeit war die allererste Blutabnahme und das Warten auf die Testergebnisse.
  7. Das Blutabnehmen dauerte über eine halbe Stunde. Die Arzthelferin tut mir bis heute leid.
  8. Die Gewichtszunahme war und ist zu jeder Zeit nicht ganz einfach für mich gewesen. Sensibles Thema.
  9. Auf die Geburt des Pucks, also das tatsächliche Erlebnis habe ich mich unbändig gefreut. Sie war letztlich ein wenig traumatisierend für mich.
  10. Ich war sofort in den Puck verliebt. All diese Gefühle ließen bei mir nicht auf sich warten. Trotz einer schwierigen Geburt und einer entsetzlich anstrengenden ersten Phase.
  11. Die dominantesten Aspekte dieser Mutterliebe waren in den ersten Wochen vor allem Angst und Sorge. Dass dem Kleinen was passieren könnte. Dass ich ihn irgendwie wieder verliere.
  12. Die ersten 3 – 4 Monate als Mama war ich unsäglich unentspannt. Ich wollte allen beweisen, dass ich das mit links mache. Hatte ich doch so viel Erfahrung. Und alle waren sich auch so sicher, dass ich total cool und relaxed werde. Also quälte ich mich bereits Tage nach der Geburt wieder auf Ausflüge, trotz großer Schmerzen. Mich würde so ein Baby nicht an meiner Freiheit hindern. Seht alle her. Dumm. Furchtbar dumm. Und unehrlich. Der Puck war im ersten Babyjahr sehr fordernd, sensibel und speziell. Das anzunehmen dauerte eben die ersten Wochen. Ich musste mich neu finden. Und dann wurde ich eine meist echt entspannte Mama. Aber eben anders als gedacht.
  13. Obwohl ich mit Schlafmangel gerechnet hatte, traf er mich doch erstmal mit voller Wucht. Entgegen anderer Neugeborener schlief mein Sohn nicht wirklich viel. Er war von Anfang an zu schnell reizüberflutet und hibbelig.
  14. Ich habe den Puck 15 Monate gestillt. Ab dem 5. Monat ungefähr konnte ich es genießen, davor war es eine sehr schmerzhafte, körperliche Tortur. Das Abstillen verlief sehr harmonisch und auf das Signal des Pucks hin.
  15. Jedes Gefühl auf der Welt scheint sich zu potenzieren, seit ich Mama bin. Ich spüre Freude mehr. Bin aber auch intensiver wütend oder besorgt.
  16. Ich bin noch sensibler geworden.
  17. Ich habe eine Engelsgeduld mit dem Puck. Da muss in Relation gesetzt werden. Ich bin nämlich der ungeduldigste Mensch. Jawohl. Ich könnte bei kleinsten Verzögerungen ausflippen oder wenn die Dinge nicht sofort so laufen, wie von mir gedacht. Es ist also mehr als bemerkenswert, dass ich beim Kleinen wirklich die Ruhe weg hab. Ganz ehrlich jetzt.
  18. Auch wenn ich mittlerweile gelernt habe, dass alles Phase ist und sich meist von selbst regelt, immer wenn der Puck doch irgendwie schlechte Tage hat, zweifel ich an mir. Gott sei Dank komme ich aber in der Regel zu dem Schluss, dass ich schon ok bin. So als Mama.
  19. Ich habe ein bisschen meines Perfektionsdranges verloren. Das tut gut.
  20. Nur bei der Alltagsstruktur des Pucks. Da bin ich akribisch. Sehr. Das muss ich bei seiner Sensibilität einfach sein. Nur so ist er dann doch irgendwie ausgeglichen. War im ersten Jahr kaum absehbar.
  21. Ich bin auch als Mutter Ästhet. Ein wenig übertrieben vielleicht. Ich achte auf Farben im Kinderzimmer und darauf, dass die Dinge zusammenpassen. Kaufe kein übertrieben buntes Spielzeug. Außer Duplo. Ich achte bei Kinderklamotten auf einen bestimmten Stil. Trotzdem einen kindergerechten und bequemen. Immerhin. Ich brauch das für meine Ordnung. Im nächsten Fakten-Artikel vielleicht Genaueres über diesen Fimmel.
  22. Ich bin in meinem engeren Freundeskreis ziemlich die Einzige mit Kind.
  23. Meist finde ich das gar nicht schlecht. Es hilft, nicht völlig in dieser Thematik zu versumpfen. Aber dann und wann freue ich mich auf die Zeit, in der mein Freundeskreis dann auch diese Erfahrungen machen wird. Und weiß, wie es ist.
  24. Manchmal bleibt mir die Luft weg, bei dem Gedanken, dass alles vergänglich ist und ich nicht für ewig mit meinen Kindern zusammen sein werde.
  25. Es blutet auch ein bisschen das Herz, wenn ich weiß, dass sie nicht für immer klein sind. Und mich brauchen.
  26. Im ersten Jahr hat der Puck an mir geklebt. Immer. Und ich habe mir sehnlichst Pausen gewünscht. Und dann wendete er sich dem Papa zu. Und in manchen Phasen wollte er ihn lieber als mich. War schon richtig so, habe ich geschehen lassen, natürlich. Hat sich aber erstmal doch blöd angefühlt. Jaja, die Mamas.
  27. Ich hab Angst vor dem ersten “Mama, du bist doof.”
  28. Bis heute fällt es mir schwer, als Mama Hilfe anzunehmen oder anderen mein Kind anzuvertrauen. Letzteres geht immer besser, da der Puck sich mittlerweile selbst seinen Personenkreis erlesener Herzmenschen ausgewählt hat, bei denen er bewusst bleiben möchte und das auch klar so sagt.
  29. Ich hab manchmal ein bisschen Schiss vor der Verantwortung einer Zweifach-Mama. Ich möchte jedem Menschen in meinem Umkreis immer komplett gerecht werden und das Wissen, dass das nicht so möglich sein wird, macht mich nervös.
  30. Ich bereue nicht einen Tag, dass ich Mama wurde. Nicht einen einzigen.

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Kommentare

  1. Svenja

    Das hast du schön geschrieben. Bei so manchem Punkt erkenne ich mich als Mama wieder.

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