Von Zeit, Gefühl und Zeitgefühl…

In knapp 2 Wochen wird mein Puck 2 Jahre alt. In knapp 2 Wochen werde ich zum zweiten Mal Mama. So ungefähr.

Oft lese ich Geburtstags- und Jahresberichte. Oder auch Monatsberichte. Und ziemlich häufig beginnen oder enden diese Texte mit Sätzen wie “Wann ist das passiert?” oder “Wo ist die Zeit bloß hin?” “War nicht gestern erst die Geburt?” “Hielt ich nicht gestern erst den positiven Test in Händen?”

Nun ist ja Zeit und Zeitgefühl was sehr eigenes. Und darum zweifle ich diese Sätze auch nicht an. Ich glaube sie. Egal, wie oft ich sie lese. Aber meine Berichte werden so eher nicht beginnen. Das wurde mir in den letzten Tagen bewusst. Einige Ausnahmen gab es mal in den Wochenupdates. So am Anfang, wenn ich plötzlich einen Bauch hatte. Zum Beispiel.

Im Großen und Ganzen habe ich aber nicht das Gefühl, den Puck doch gerade erst geboren zu haben. Oder soeben erst zum zweiten Mal einen Schwangerschaftstest gekauft zu haben.

Mein Sohn wird zwei. Und ich finde, es wird Zeit. Er ist ein Zweijähriger. Und wenn ich daran zurückdenke, was wir in dieser Zeit alles erlebt haben, was passiert ist, wo wir waren, was wir sahen und wie aus dem knautschigen 4-Kilo-Bündel dieser kreative, ständig vor sich hin plappernde Wirbelwind wurde, dann passt es. Nichts kommt mir zu schnell vor. Es fühlt sich an wie zwei lange Jahre. Ich bin mitgekommen. Und ich bin froh, das sagen zu können. Denn es zeigt mir, dass unser Leben und unser Alltag doch irgendwie in einer schönen Geschwindigkeit läuft. So unterm Strich. Es gibt da Tage, die rasen. Natürlich. Da komm ich unseren Verpflichtungen, Plänen und Terminen nicht hinterher. Oder wir haben so schöne Momente, dass die Zeit einfach verfliegt. Und es gibt die Tage, die sich ziehen wie Kaugummi. An denen ich nach einer halben Stunde auf die Uhr schaue und trotzdem erst drei Minuten vergangen sind. An denen ich meine liebe Mühe hab, mich und den Kleinen zu beschäftigen und einfach nur auf Bettgehzeit warte. Aber alles in allem bin ich dabei. Ganz bewusst. Jeden Tag. Der Kleine entschleunigt mich und meinen durchaus wuseligen Alltag. Und ich kann mich gut darauf einlassen. Nicht immer, nicht jeden Tag. Aber meistens. Ist bei mir und meinen Hummeln im Hintern nicht selbstverständlich gewesen.

In zwei Wochen ist mein Geburtstermin. Und auch hier wird es Zeit. Ich habe hier sogar eher das Gefühl, einfach schon ewig schwanger zu sein. Auch, weil zwischen den beiden Schwangerschaften nicht so viel Zeit lag. Der Tag, an dem ich positiv getestet habe, liegt für mich weit, weit zurück. Wir wohnten noch in unserer alten (doofen) Wohnung. Ich war mit den Plagen der Frühschwangerschaft beschäftigt. Es ging mir nicht gut. Die ersten drei Monate. Schleppten sich. Ich überlebte die Tage so vor mich hin. Das zweite Trimester. Mit Umzug, viel Tatendrang. Körperlichen Superkräften. Mit Vollzeitstelle und Kleinkind. Mit Ankommen im neuen Wohnraum. Mit Aufbau eines Sozialgefüges. Auch schon eine Zeit her. Die Sommerferien, Urlaube und mein Mutterschutz. Einige Wochen. Die mir auch wie Wochen vorkamen und -kommen. Und nun diese letzten Tage. Ich liebe diese letzten drei Wochen. Den richtigen Countdown. Diese Spannung in der Luft. Die Vorfreude. Nervosität. Unruhe. Diese Tage mag ich am meisten. Das ist die schönste Zeit in der Schwangerschaft. Also für mich. Es wird Zeit. Der positive Test war nicht erst gestern. Er liegt Monate zurück. Monate, in denen ich Zeit hatte, mich auf das hier vorzubereiten. Ängste zu entdecken und zu verarbeiten. Zeit, um die Sicherheit zu gewinnen, dass der Zeitpunkt so richtig war. Das wir bereit sind. Der Puck und ich. Der Mann vermutlich auch.

Ich bin froh, das sagen zu können. Ich wiederhole mich. Aber ich weiß auch, dass mit dem Einzug des Minis, mein Zeitgefühl erstmal wieder durcheinander gewirbelt wird. Da wird es fliegen. Da werde ich nicht hinterherkommen. Zweifeln. Und verzweifeln. Und dann wird es sich wieder zurechtruckeln und eingrooven. Zumindest wünsche ich mir das. Das ich auch weiter so dabei bin. So im Jetzt. Ohne nur zu rennen und doch nicht mithalten zu können.

Ja, so ist das mit meinem Gefühl gerade. In diesem Moment. Eine kleine Aufnahme. Vielleicht ein bisschen Ruhe vor dem Sturm. So ist das. Es wird Zeit. Nicht einen Tag zu lang oder zu kurz. Und nun warten wir. Es wird Zeit.

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Hier gerade mal Einklang.

 

Kommentare

  1. Avatar
    Melanie

    Hallo Sassi! Ein sehr schöner Text. Es hört sich sehr nach angekommen sein an. Im hier und jetzt. Ich mochte diesen ganz besonderen Zauber der letzten drei Wochen auch immer sehr. Das ersehnte Kind endlich anfassen und sehen können. Die Geburt gemeistert zu haben. Und das Hoffen und auch Bangen der Schwangerschaft hinter sich lassen zu können. Alles hat seine Zeit... Ich wünsche dir einen guten Endspurt und alles, was du dafür brauchst! LG, Melanie

    1. Sassi
      Sassi

      Vielen lieben Dank! Genau so ist es! <3

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