Der Klassiker

So. Nun ist es ja vollbracht. Nun bin ich Zweifachmama. Seit ziemlich genau drei Wochen. Wie der Start so verlief, habe ich ja hier genauer berichtet.

Ich schrieb dort auch, wie unglaublich entspannt das Finchen doch wäre. Keine Sorge, daran hat sich auch nichts geändert, aber beim genauen Hinsehen fiel mir da was auf. Auch Finchen kämpft mit Bauchweh. Und mit der Verdauung. Sie drückt ebenfalls wie eine Verrückte, aber die Endprodukte wollen einfach noch nicht ganz so leicht an die richtige Stelle. Sie lässt sich nur ungern ablegen und fordert viel Körperkontakt. Sie ist ebenfalls mit meinem starken Milchspendereflex überfordert, verschluckt sich oft, schluckt viel Luft. Daher nochmals Bauchweh. Sie hat keinen festen Rhythmus (Schockierend, was?), durchaus bereits lange Wachphasen. Sie stillt komplett unregelmäßig und hat jeden Abend die mir bereits bekannten Clusterfeeding-Phasen. Zum Teil bis zu 5 Stunden hängt sie in kurzen Abständen an meiner Brust und kurbelt die Produktion fleißig an.

So immense Unterschiede zu meinem fordernden Babypuck sind da also gar nicht. Aber etwas ist doch kolossal anders. Es STRESST mich einfach nicht. Diesmal kenne ich das und weiß, dass da eigentlich nur Geduld und Spucke hilft. Oder Milch. Das keine Globuli, keine Salbe daran viel ändert. Dass ich nichts falsch mache. Dass ich nicht versage. All die oben genannten Stressfaktoren machen mir rein gar nichts aus. Ich bin die Ruhe selbst. Wenn Nähe gebraucht wird, bekommt die Maus sie. Mach ich entweder alles einhändig oder ab ins Tragetuch. Wenn sie müde ist, lass ich sie nuckeln oder eben wieder das Tragetuch. Beim Bauchweh wird gestreichelt und viel nackig unter der Wärmelampe gestrampelt. Also Finchen. Nicht ich. Auf diese Weise betreibt mein Töchterlein quasi sogar selbstbestimmtes windelfrei. Hihi. Abends mach ich es mir auf dem Sofa gemütlich, schaue fern, rede mit meinem Mann, snacke was Feines und lass die Kleine Clustern so viel sie will. Da das meistens so um Fünf losgeht, muss sie halt manchmal auch im Laufen auf dem Arm trinken, denn da ist ja auch noch der Puck. Wenn die Bestellung abgeschlossen ist, leg ich mich alsbald zum schlafenden Finchen, weil ich einfach weiß, dass jetzt erstmal eine längere Schlafphase folgt, die ich nutzen kann.

Ich hab beim Puck im Grunde genommen auch nicht viel anders gemacht. Ich hab ihn gelassen und seine Bedürfnisse geachtet. Aber ich hab mich immer wieder verunsichern lassen, war total gestresst, weil das so gar nicht meiner vormütterlichen Vorstellung entsprach, war nervös, weil mir immer wieder reingeredet wurde. Ich war einfach dauerhaft angespannt und mein sensibler Puck hat das natürlich deutlich zu spüren bekommen.

Und nun frage ich mich schon, ist der Puck so wie er ist, weil ich so umentspannt war? Hab ich ihn so sensibel werden lassen? Ist er wegen mir so speziell? Entspannte Mutter = entspanntes Kind, ist es wirklich so einfach?

Ich denke, dass es da natürlich Wechselwirkungen gibt. Das ist ja nur logisch. Aber meine Kinder präsentierten bereits ab ihrer ersten Minute außerhalb des Bauches ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Der Puck zappelte und schrie. Mit einem Organ, dass bis heute seinesgleichen sucht. Er ließ sich auch auf meinem Bauch kaum beruhigen. Und so unruhig blieb er. Bei Berührungen weinte er. Beim Wickeln schrie er. Beim Trinken an der Brust zappelte er stets wie wild mit Armen und Beinen. Das blieb bis zum Schluss so. Er ertrug von Anfang an keine lauten Geräusche, war extrem schnell überreizt. Einschlafen fiel ihm auch an der Brust schwer. Er brauchte von Beginn an viel Zeit, um abzuschalten. Das Bauchweh machte ihm so zu schaffen, dass er sich krümmte und viel, viel schrie. Kaum eine Chance für mich, die Luft da wieder rauszukriegen. Er brauchte auch viel Nähe, ließ sich lange aber nicht in einer Trage oder einem Tuch tragen. Nun muss auch erwähnt werden, dass auch er eine extreme Geburt hinter sich hatte und verdauen musste. Er steckte auch lange im Geburtskanal, wodurch er noch wochenlang “schief” war, was laut Ostheopath natürlich auch z.B. Kopfschmerzen verursachte.

Finchen hingegen wurde ganz zackig geboren, lag ruhig auf meinem Bauch, schlug die Augen auf und sah mich an. Ganz eindringlich. Sie trank an beiden Seiten und schlief dann erstmal seelenruhig. Sie nörgelt bei Bauchweh, schreit im Extremfall auch mal kurz auf. Das war’s aber auch. Sie lässt sich helfen. Massieren. Beinchen kreisen. Einfach nackig liegen und strampeln. Ohne Gebrüll. Sie mag es sogar gern. Sie lässt den Körperkontakt jederzeit zu. Mag die Enge im Tragetuch. Sie findet gut in den Schlaf. Laute Geräusche machen ihr nicht das Geringste aus. Das ist natürlich schon ein Segen, denn mit einem grad Zweijährigen ist es hier nun mal nicht jederzeit leise. Sie hat bereits jetzt schon eine Ahnung von Tag und Nacht. Vermutlich weil sich das in unserem Hause einfach deutlich unterscheidet. Eben allein durch die Lautstärke.

Das grundlegende Bedürfnisverhalten der beiden ist kaum unterschiedlich. Und auch meine Reaktion darauf nicht. Aber die Sicherheit und das Selbstvertrauen schon. Das ist gewachsen und lässt mich entspannt sein. Und die Persönlichkeiten meiner Kinder, die sind schon sehr verschieden und lässt sie doch anders agieren. Und ich denke, darauf habe ich als Mama nicht unbedingt viel Einfluss. Entspannung her oder hin.

Aber sicherlich hat mein kleines schreiendes, unruhiges Zappelbaby meine Anspannung vielleicht begünstigt, was wiederum seine Unruhe verstärkte. Ein wenig Zusammenhang ist bestimmt da. Aber ich habe entschieden, dass er nicht wegen meinem (vermutlich sogar recht typischen) Erstlingsmamaverhalten so sensibel wurde. Das ist einfach er. Grundlegender Teil seines Wesens.

Und jetzt bin ich einfach mal dankbar, dass Finchen sich nun wesentlich gemütlicher präsentiert und mir mein Ruhe dadurch zusätzlich leicht macht. Es erleichtert selbstverständlich auch unseren Alltag, weil sie sich so problemlos in unsere bestehenden Strukturen einbinden lässt, ohne dass ich ein schlechtes Gewissen haben muss.

Ja, und jetzt geh ich auf jegliches Holz in der Wohnung klopfen, dass es so bleibt.

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