Und morgen dann Neustart…

Wer meine ersten watteflauschigen Wochen als Zweifachmama verfolgt hat, mag nun meinen: “Mensch, bei denen läuft es aber harmonisch. Perfekt. Rosa Zuckerpups und so.” Und ich würde sogar zustimmen. Die meiste Zeit ist es derweil hier einfach noch entspannt und ich eine zufriedene Zweifachmama. Ja, und dann gibt es so Tage wie heute. Die gehören auch dazu. Sie machen das Bild komplett. Und keineswegs weniger perfekt. Sie lesen sich nur weitaus abenteuerlicher. Aber überzeugt euch selbst…

Der Vormittag verlief relativ unspektakulär, aber man merkte schon, dass Finchen etwas unruhiger war. Sie ist 3,5 Wochen. Irgendwas tut sich, das ist deutlich zu spüren. Sie war mehr wach. Ablegen quasi unmöglich und auch im Tragetuch kam sie nicht lange und gänzlich zur Ruhe. Aber alles im Rahmen und nicht wirklich stressig. Ich habe gerade meine Schwiegermutter hier. Wir mögen uns. Das ist ok. Sie ist eher etwas überbemüht. Aber eine Seele von Mensch. Das sei klar gesagt. Sobald aber jemand anderes auch im Haushalt lebt, sind die eigenen Abläufe natürlich etwas “gestört”. Wir hatten den Tag über viel gequatscht. Und so war ich am Ende etwas in Eile, als ich die Kleine zum Abholen des Pucks fertig machte. Meist biete ich ihr vorher noch einmal die Brust an. Dafür blieb keine Zeit. Aber sie hatte eigentlich auch erst kurz vorher getrunken, daher befürchtete ich nichts.

Ich wollte außerdem heute die neue Trage von FräuleinHübsch ausprobieren. Die Handhabung ist ja recht simpel. Dennoch wurde das Finchen in der kurzen Zeit, in der ich die Trage auf die kleine Maus einstellte, ziemlich ungnädig und begann zu weinen. Zeit, um sie mit der Brust zu beruhigen, blieb, wie gesagt, nicht. Aber ich dachte, sie würde sich beim Tragen auch schnell beruhigen. Wie sonst auch immer. Diesmal brauchte sie allerdings. Die ersten 5 Minuten unseres Weges setzte sie ihr Weinen fort. Armes Finchen. Arme Mama. Dann schlief sie aber schnell ein. Körperliche Nähe tröstet eben doch ganz gut.

Wir holten den Puck ab. Der kann eigentlich ziemlich weite Strecken alleine laufen, aber derzeit habe ich als Backup immer den Kinderwagen dabei. So mit zwei Kindern. Und wir mussten außerdem kurz einkaufen. Auf dem Weg zu den Geschäften machte es auf einem “krach” und ein Achsenteil des Kinderwagens brach. Komplett. Der Puck erschrak sich zwar, aber sonst passierte weiter nichts, Gott sei Dank. Tja, nu stehste da. Mit gebrochenen, eingeknicktem Kinderwagen. Zum Glück war die Schwiegermama da. Ich schickte sie mit dem Kinderwagen zurück zur Wohnung, stopfte Geldbörse, Handy und die Trinkflasche vom Puck in die Jackentasche, nahm den Sohn an der Hand und wackelte zum dm, während ich erklärte, was gerade passiert war.

Im dm nahm ich auf einer Bank Platz, um endlich das Finchen zu stillen, die ganz ruhig und dösend durchgehalten hatte. Der Puck aß neben mir seine geschnippelten Äpfel und war fantastisch kooperativ. Mit Kind an der Brust merke ich plötzlich, dass an meinem Bein was nass wird. Die Trinkflasche des Puck war nicht richtig geschlossen, weswegen sich der gesamte Inhalt in meiner Jackentasche befand. Die glich einem Aquarium, da die Regenjacke doch erstaunlich dicht hielt. Nur sehr gemächlich tropfte das Wasser auf den Boden. Also hieß es Tasche ausleeren. Nasse Jacke ausziehen. Der Puck blieb geduldig. Das Finchen wieder in die Trage. Protestgeschrei. Ok, sie wollte auch die zweite Seite. Also mit dem Sohn zum Spieltisch. Den liebt er. Und daneben nahm ich im Sockenregal Platz und stillte erneut und unterhielt mich mit dem Puck.

Kurz darauf roch ich eine klar zu identifizierende Duftnote aus der Windel des Großen. Na toll. Außerhäusliches Wickeln geht so gut wie gar nicht. Angst und Geschrei. Half aber nichts. Das Finchen also im Anschluss ans Stillen wieder in Trage. Natürlich Gebrüll. Dem Puck mein Handy in die Hand gedrückt, damit ich ihn irgendwie Wickeln kann. Ging auch. Mit weinendem Finchen allerdings. Nach einem kräftigen “Bäuerchen” schlief die Maus aber zum Glück ein. Der Puck hatte derweil durch das ganze Rumgedrücke auf meinem Handy selbiges gesperrt, wodurch ich den Anruf meiner Schwiegermama nicht annehmen konnte, die wissen wollte, wo sie wieder zu uns stoßen könne. Sie hatte aber mitgedacht und fand uns schnell im dm. Ich besorgte noch schnell die zwei, drei Sachen, die anstanden und dann ging es weiter, um Joghurt und Brotaufstrich und was man eben so braucht zu erwerben. Leider konnte ich nicht ewig viel einkaufen, da ja mit dem Kinderwagen auch unser Stauraum flöten ging und wir alles tragen mussten. Nun gut.

Fertig mit dem Einkauf, holte ich mir beim Bäcker einen Latte to go. Weil war nötig. Während ich die Besorgungen halbwegs sinnvoll auf unsere zwei Beutel verteilte, kippte ich ungeschickterweise die Hälfte des so wichtigen Elixiers auf den Boden. Na danke.

Auf dem Rückweg wachte das Finchen auf und weinte sofort. Der Puck wollte aber natürlich ganz in Ruhe zurücklaufen und sich jedes Steinchen genau ansehen. Was er sonst auch darf. Also managte die Schwiegermama den weiteren Rückweg und ich hastete mit der Kleinen nach Hause. Dort wurde wieder gestillt, Windel gewechselt und auch das Tragetuch gewechselt. Wenn sie wach ist, mag sie das Ring Sling einfach lieber. Dann wieder Klamotten an und zurück zum Puck, denn wir mussten heute dringend noch in die Bücherei, Bücher zurückgeben. Nach kurzem Weinen schlief das Finchen nochmal ne kurze Runde, so dass wir die Abgabe schnell erledigen und auch neue Bücher für den Puck aussuchen konnten. Unser Ritual ist eigentlich, dass sich der Sohnemann dann auf dem Rückweg schon ein Buch im Kinderwagen anguckt. Ging heut ja nicht. Fand er doof. Machte aber auch da tapfer mit und stürzte sich dann erst zu Hause auf die neuen Errungenschaften.

Das Finchen hing ab da dann bis jetzt knappe drei Stunden an meiner Brust und war für ihre Verhältnisse eher nörgelig. Gleichzeitig hatte der Puck ja den ganzen Tag wirklich ganz toll mitgemacht. Für einen Zweijährigen. Abends war aber die Geduld am Ende. Das Abendbrot verlief alles andere als harmonisch. “Ich will selba smieren.” “Neeeein, nicht selba, Mama soll heeeelfen.” Und ähnliches. Das Finchen immer auf dem Arm oder an der Brust. Im Anschluss spielte der Puck noch 10 Minuten in seinem Zimmer. Die Oma bat ich, nicht hinzugehen. Der kleine Mann braucht diese alleinige Ruhe regelmäßig, um sich neu zu sortieren und runterzukommen. So war es auch. Zum Sandmann war dann alles ganz kuschelig.

Der Papa kam heute rechtzeitig zum Ins-Bett-bringen. Das ging auch recht fix. Der Puck war total müde. Kein Wunder. Ich stillte weiter so vor mich hin und atmete dann einmal tief durch. Was für ein Tag.

Über den kaputten Kinderwagen bin ich wirklich sauer. Wir haben einen Emmaljunga. Und wer die kennt, weiß, dass die nun nicht günstig sind. Wir haben den Wagen zwei Jahre. Finde ich schon etwas schwach. Nun gut. Morgen beim Händler anrufen und der soll die Sache in Ordnung bringen. Gefälligst.

So. Und nun leg ich mich gleich zu den Kindern. Die dieses Chaos dann doch irgendwie ziemlich souverän mitgemacht haben. Vor allem der Puck. Der eigentlich gerade in dieser Autonomiegeschichte steckt. Nun gut. Lieber Murphy, ein Tag voll deines Humors. Danke dafür. Nochmal tief durchatmen und morgen dann neu starten. Ooohhhmmmm…

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