Und? Wie isses so?

Bekäme ich einen Euro für jedes Mal, dass ich diesen Satz in den letzten zwei Wochen hören durfte, könnte ich für einige Jahre das mit dem Arbeiten sein lassen. Echt jetzt.

Nun ist der Satz aber im Grunde genommen mehr als verständlich. Denn es ist ja wirklich die zentrale Frage? Also, wie isses denn nu? Die ersten zwei Wochen zu Viert?

Wie is das mit der Wochenbett?

Vielleicht liegt es an der zackigen Geburt. Vielleicht liegt es daran, dass ich die körperlichen Prozesse diesmal schon kannte. Vielleicht habe ich mich diesmal vor allem in den ersten Tagen viel konsequenter geschont. Vielleicht hat die Natur es so eingerichtet. Aber diesmal war ich unglaublich schnell wieder fit und ich kann nur inständig hoffen, dass der Schein nicht trügt. Während ich beim Puck Wochen gebraucht habe, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen (und das kann wörtlich genommen werden), bin ich dieses Mal bereits drei Stunden nach der Geburt alleine aufs Klo gegangen. Eine große Sache für mich. Meine Gebärmutter hatte sich unfassbar zackig zurückgezogen. Meine Blutungen ließen schon nach wenigen Tagen sehr deutlich nach und sind so langsam fast weg. (Es gab einen kleinen Stau / eine Ansammlung Ende letzter Woche, was sich aber von selbst löste. Alles gut, wenn auch kein schöner Anblick.) Ich spüre meinen Beckenboden kaum, auch wenn ich die kleine Maus viel trage. Ich fühle mich körperlich wirklich gut. Ein kleiner Harnwegsinfekt ärgert mich zwar, aber bisher versuchen wir diesem mit viel, viel Trinken Herr zu werden. Ich bin froh, dass es so läuft und dankbar und hoffe natürlich inständig, dass es dabei bleibt. Denn ich werde hier gebraucht. Ihr versteht.

Wie is das mit der Zweifachmama?

Toll. Ich hab es mir so gewünscht. Es war eine bewusste Entscheidung. Ich bin gerne Mama. Von Herzen. Ich habe mir eigentlich nie so recht Sorgen darum gemacht, dass ich da was bereuen könnte. War nur gespannt, wie es sich anfühlt. Liebe teilen. Aber irgendwie muss ich nicht teilen. Meine Liebe zum Puck ist unverändert. Es ist eine neue dazu gekommen. Finchen kriegt eine neue Liebe. Extra für sie gemacht. Voll schön.

Organisatorisch ist es bisher weit weniger anstrengend als erwartet. Zwischen Paradies und Weltuntergang habe ich mit allem gerechnet und die Dinge auf mich zukommen lassen. Ich hatte für Beschäftigungsmaterial für den Puck gesorgt. Jetzt wo man sich doch mehr drinnen aufhält. Zwei Kinder zu versorgen, ist eine Aufgabe. Anziehen, Wickeln, Essen machen oder Stillen, Beschäftigen, in den Schlaf begleiten, an die frische Luft bringen. Allein diese Grundversorgung fordert mich. Aber da die Bedürfnisse eines Babys in den ersten Wochen ja recht simpel sind, kann ich die Kleine bisher gut in die bestehenden Strukturen einbinden. Im wahrsten Sinne. Denn Tragen geht immer. Und Stillen auch überall. Das Ganze wird vermutlich erst interessanter, wenn auch das Finchen sich nicht mehr so einfach zufriedenstellen lässt. Ihren eigenen Kopf entwickelt. Einen eigenen Rhythmus bekommt. Aber auch das lass ich auf mich zukommen.

Wie ist das mit dem Finchen?

Entspannt. Kurzer Exkurs. Warum heißt sie so? Kennt ihr die Schnecke aus der Sesamstraße. Die ist so ruhig und besonnen und freundlich. Hat ihr eigenes Tempo und kommt trotzdem immer zum Ziel. Sie war eine der wenigen Figuren, die ich immer mochte. Sonst habe ich vor solchen Puppen nämlich Angst. Ich finde die gruselig. So wie andere Leute Clowns.

Also, das Finchen. Sie ist besonnen, ruhig und freundlich. Wahnsinnig aufmerksam. Seit ihrer ersten Lebensminute. Hat sie mich angeschaut. Ganz ruhig. Sie weint wenig. Und wenn, dann ist das sofort lösbar. Sie hat drei Arten zu weinen. Quietschig = Luft im Bauch, gepresst = Ich muss mal, kraftvoll, laut = Hunger. Am ehesten hört man die ersten beiden Arten. Aber auch dann nur kurz, bevor Bäuerchen oder die Ladung kommt. Vor Hunger brüllt sie wenig, da sie das schon vorher anders anzeigt und man gut drauf reagieren kann.

Es ist so anders diesmal. Sie ist so anders als der Puck. Keine Schreikrämpfe wegen lauter Geräusche. Keine stundenlangen Brüllattacken wegen Überreizung. Oder Bauchweh. Sie schläft. Eher viel. Und wenn nicht, dann schaut sie. So soll es ja bei den Zweiten nicht selten sein. In unserem Fall bestätigt sich das.

Sie darf sein, wie sie ist. Ich wäre immer verliebt. Aber so ist es natürlich schon etwas entspannter.

Wie ist das mit dem Puck?

Bei der Frage nach einem zweiten Kind und meinem deutlich spürbaren Wunsch danach, war der Puck mein einziges Hadern. Ich habe mich auf ihn eingestellt. Wir hatten unseren Rhythmus. Unsere Aufmerksamkeit galt seinen Bedürfnissen. Er konnte sich darauf verlassen, dass wir da waren, wenn er uns brauchte. Der Gedanke, nicht mehr zu 100% da sein zu können. Ihn vertrösten zu müssen. Der fühlte sich nicht schön an. Ging gegen meine Art als Mama. Aber mit der Zeit und der Schwangerschaft mussten wir bereits die ersten Kompromisse schließen. Außerdem war ich nicht mehr einzig und allein Bezugspunkt. Er wandte sich mehr dem Papa zu. Genoss Nachmittag mit Oma und Opa. Spielt unglaublich gern mit anderen Kindern. Und irgendwie wusste ich bald, dass er Geschwister braucht. Dass er ein toller großer Bruder wird. Und dass sich alles finden würde.

Der Puck ist gerade zwei geworden und mit Volldampf in die Autonomiephase gerasselt. Gleichzeitig haben sich pünktlich die letzten Zähne gemeldet und ärgern ihn seit 3 Wochen. Er testet mich. Jede Sekunde des Tages. NEIN ist sein derzeitiges Lieblingswort. Er hatte 2 richtig fiese Tage mit vielen Tränen. Gott sei Dank konnte ich mich gut und sensibel ihm zuwenden an diesen Tagen.

Natürlich muss er seine Welt neu sortieren. Aber da sein Alltag den gleichen Bahnen folgt und ich eher Finchen irgendwie hineinbringe, klappte die Umstellung und das Akzeptieren eigentlich ganz gut. Ich bin mir recht sicher, dass wir auch ohne zweites Kind in dieser Phase wären. Sie gehört in das Alter und in diese Zeit.

Natürlich ist das anstrengend. Und ruhig und einfühlsam zu bleiben, ist harte Arbeit. Und wir streiten uns. Aber immer mit Vertragen. Heute waren wir das erste Mal seit der Geburt wirklich mal nur zu Hause. Nur Mama. Und es war gleich schon viel ruhiger. Auch der Puck. Dachte ich mir fast. Wir grooven uns ein.

Wie ist das mit dem Papa?

Der ist stolz. Was Papas halt so sind. Und unterstützt uns, wo er kann. Soweit es seine Selbstständigkeit zulässt. Aber diesmal hat das schon alles viel mehr Struktur als noch im letzten Wochenbett. Mit geregelten Zeiten und einem entspannteren Mann, weil er sich diesmal auf tolle Mitarbeiter verlassen kann.

Tja, meine Lieben, und so isses.

fullsizerender

Kommentare

  1. Hanna

    Hört dich toll am <3

    1. Sassi
      Sassi

      Das ist es. Erinnere mich bitte zu gegebener Zeit daran. Also, nur für den Fall. ?:-)

  2. Melanie

    ❤seufz! Ich sah es so kommen und freue mich so sehr für dich/euch! Das liest sich wunderbar. Ja, auch die Autonomiephase des Pucks ? tatsächlich war meine erste Finchenassoziation die Sesamstraßenschnecke. Ich habe auch normalerweise Angst vor Puppen und auch Clowns... Mutterliebe ist irgendwie wie ein Baumstamm. Stark, tief verwurzelt und mit jedem Kind wächst ein neuer, wunderschöner Ast. Schön wieder von dir zu lesen und das es Euch so gut geht! Alles Liebe für Euch! Mel

    1. Sassi
      Sassi

      Hach, wieder so ein lieber Kommentar. Der Vergleich mit dem Baumstamm ist sehr schön. Und genau treffend. Mal sehen wie viele Äste mein Baum im Laufe meines Lebens noch so kriegt. Uns geht es wirklich gut. Die Phase des Pucks ist natürlich anstrengend. Aber sie gehört dazu. Ich muss mich da aber jetzt auch erstmal neu drauf einstellen und schauen, wie ich mit den jeweiligen Situationen dann umgehe. Aber das wird sich finden mit der Zeit. So wie immer. Das Vertrauen habe ich mittlerweile. Du selbst hast das ja nun auch schon mehr als einmal erleben dürfen. Liebste Grüße zurück, Sassi

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