Willkommen Finchen…

Geburtsbericht Finchen (ehemals Mini-Puck)

So, eine gute Woche ist seit Tag X vergangen. Der Tag, an dem ich zum zweiten Mal Mutter wurde. An dem ich meine Tochter kennenlernte. An dem ich mich von meiner intensiven Exklusivzeit mit dem Puck verabschiedete.

Zeit, euch an diesem besonderen Tag teilhaben zu lassen. Noch immer brodeln tausende Emotionen auf, wenn ich daran denke.

Bereits in der Nacht zum besagten Montag, dem errechneten Geburtstermin habe ich in den frühen Morgenstunden ein paar wenige Wehen, die deutlich nach unten ziehen, aber nicht wirklich schmerzhaft sind. Ich kenne das schon und weiß, dass das alles und nichts heißen kann und bleibe daher erstmal entspannt. Der Mann und der Puck brechen um 8.00 Uhr zur Tagesmutter auf. Ich putze jeden Winkel der Wohnung. Wirklich jeden. Alles ist an Ort und Stelle, kein Krümelchen Staub mehr zu finden. Vorsichtshalber packe ich dann doch mal meine Kliniktasche. Hatte ich bisher nicht getan. Finde das unnötig so früh. In der Regel hat man dazu ja im Ernstfall noch die Zeit.

Den Rest des Tages verdaddel ich so vor mich hin. Koche mir was Leckeres, schaue ein paar Folgen Cougar Town, tippe etwas fürs Blog. Über den gesamten Vormittag verteilt habe ich vielleicht 4-5 Wehen. Also alles überhaupt nichts Dramatisches. Ich sage auch dem Mann nicht Bescheid. Um 14.00 Uhr hole ich den Puck ab. Vielleicht habe ich innerlich doch was geahnt, denn das Angebot des Mannes, den Kleinen abzuholen, lehne ich vehement ab. Ich möchte das unbedingt noch machen. Wir drehen draußen eine große Runde, klettern auf Mauern (also der Puck) und lassen uns richtig Zeit. Dann erledigen wir den Wocheneinkauf und holen auch noch das ein oder andere aus der Drogerie. Dort habe ich an der Kasse die erste wirklich mal schmerzhaftere Wehe. Ansonsten kaum welche. Alles ruhig. Inklusive mir. Zu Hause spiele ich mit dem Puck und backe anschließend mit ihm Apfelmuffins (Er liebt backen.), die er noch anlässlich seines Geburtstages am nächsten Morgen mit zur Tagesmutter nehmen möchte. Dann drehen wir noch ne Runde mit seinem Puky um den Block.

Beim Abendessen habe ich dann zwei Wehen, auf die ich mich konzentrieren muss. Davor und danach Ruhe. Ich lasse den Mann noch einen Termin nach der Arbeit wahrnehmen. Glaube ich noch immer nicht richtig daran, dass es langsam losgeht.

Um 19.30 Uhr bringe ich den Kleinen ins Bett. Als ich um 20.00 Uhr aus dem Schlafzimmer komme, kann ich dem heimgekehrten Mann erzählen, dass ich beim Ins-Bett-bringen 2 Wehen hatte, die ich verpusten musste. Es könnte vielleicht diese Nacht losgehen. Wir quatschen kurz. Um 20.30 Uhr habe ich wieder eine Wehe, unter der ich nicht mehr weiterreden kann und mich bewegen will. Also tigere ich durch die Wohnung und puste so vor mich hin. Ich sage meiner Mutter Bescheid, dass sich was tut und sie sich bereithalten soll. Immer noch bin ich skeptisch, ob es eventuell ein Fehlalarm ist. Zu klar sind mir die Erinnerungen an meine erste Geburt. 30 Stunden trotz früh schmerzhafter Wehen in kurzen Abständen. Jetzt hab ich noch nicht mal nennenswerte Abstände und kann die Schmerzen super wegatmen. Um 20.45 Uhr bitte ich meine Mutter doch mal zu kommen. Nur vorsichtshalber. Damit wir flexibel sind. Um 21.00 Uhr fährt sie los. Der Mann und ich beschließen, uns schlafen zu legen. Das ist mir diesmal wichtig. Ausgeruhter in die Geburt. Schlafen vorher. Noch während wir das besprechen, habe ich immer häufiger Wehen. 6 Minuten Abstand, dann zwei mit fünf, ab dann 3 Minuten. Ich muss vertönen. Binnen Minuten. Ich werde langsam nervös. Möchte doch lieber in die Klinik fahren. Nur um mal zu schauen, ob sich auch echt was tut. Die konsequenten 3 Minuten Abstände nehme ich nicht für voll. Schmerz aushaltbar. Beim Puck hatte ich auch früh sehr schöne Abstände, die aber nix brachten.

Kurz vor 22.00 Uhr trudelt endlich meine Mama ein. Wir reden nur knapp, schnappen die Tasche und flitzen los. 3 Minuten Abstände. Die Autofahrt ist kurz, aber heftig. Bodenwellen und Wehen. Igitt.

Um 22.30 betreten wir die Klinik. Bis zur Kreißsaalstation vertöne ich Wehe nach Wehe. Die leitende Hebamme weißt uns einem Kreißsaal zu. Kurz nach halb elf kommen wir dort an. Ich bin mittlerweile leicht panisch, weil diese Wehen richtig Arbeit sind. Machbar, aber Arbeit. Das jetzt noch 20 Stunden (Ich rechnete mit etwas weniger Stunden als beim Puck). Ich habe Angst vor der Untersuchung. Vor der Enttäuschung über den Öffnungsgrad meines Muttermundes. Die Hebamme tastet auf 5 cm. Ok, das ist doch was.

Sie will meinen Papierkram erledigen und verlässt den Raum, als ich die nächste Wehe habe. Ich spüre langsam Pressdrang und rufe die wirklich nette Frau wieder zurück. Sie fragt, ob sie nochmal untersuchen soll (Das fand ich so respektvoll. Gefragt zu werden.) darf. 7 cm. Innerhalb von 2 Minuten. Ok!?

Mit jeder Wehe muss ich bereits gegen den Pressdrang ankämpfen. Ich bekomme ein Mittel um den Muttermund weicher zu machen. Bei der nächsten Wehe krabbele ich unbewusst in den Vierfüßler. Die Hebamme stellt das Kopfteil des Bettes hoch und schaut nochmal. Ich bin wie in Trance. Muttermund ist offen, ich darf schieben. Letztes Mal hatte ich ja eine PDA, die allerdings gut gesetzt war. Ich spürte die Wehen noch und konnte durchaus mitarbeiten. Aber was da unten passierte, war scheinbar gedämpft, denn diesmal spüre ich jeden Millimeter meiner Tochter, wie er sich nach draußen schiebt. Irre. Und irre schmerzhaft. Die Hebamme öffnet nach meiner Zustimmung die Fruchtblase, noch zweimal schieben und die Maus ist da. Eine Dreiviertelstunde nachdem wir den Kreißsaal betreten hatten.

Ich kam dieser Geburt kaum hinterher. Und hatte immer wieder aufkeimende Panik, weil ich dachte, das ginge jetzt noch Stunden so weiter.

Ich bin so dankbar für das, was mein Körper da geschafft hat. Ohne Schmerzmittel. Im Vierfüßler. In so kurzer Zeit. Ich drehe mich auf den Rücken, hebe meine Tochter hoch und lege sie mir selbst auf den Bauch. Sie sieht ganz anders aus als ihr Bruder. Und sie ist leichter, das merke ich sofort. Aber definitiv nicht zart. Ich schätze schon so 3800g. Sie hat gleich die Augen offen und blickt mich an. Mit diesem Blick. Sie hat mich sofort. Während ich genäht und versorgt werde, kann auch der Papa seine Tochter begrüßen. Als alles geschafft ist, bekomme ich die Kleine zurück, lege sie an und wir kuscheln eine weitere Stunde intensiv.

Anschließend gibt es den ersten TÜV. 3820g. 55cm. Von wegen zart. Das Tochtermenschlein wird eingepackt und dann geht es für uns aufs Einzelzimmer. Hab ich mir so gewünscht. Ich wollte Ruhe und Zeit für uns. Gute 3 Stunde, nachdem er das Krankenhaus betreten hat, fährt der Mann nach Hause, löst dort meine Mama ab und legt sich zum Puck. Sie wachen morgens gemeinsam auf und können seine Routine bewahren. Perfekt.

Und ich liege im gedämpften Nachttischlampenlicht, meine Tochter auf dem Bauch. Und bin stolz. Und glücklich. Und dankbar für diesen perfekten Tag. An dem ich zweifache Mutter wurde. An dem ich meine Tochter kennenlernte. An dem ich nochmal ganz exklusive Zeit mit meinem Sohn hatte.

 

*Warum die Süße auf dem Blog Finchen heißen wird, erkläre ich die Tage.

 

Kommentare

  1. Avatar
    Melanie

    Liebe Sassi! Nochmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt des kleinen Mädchens. Schön zu lesen, dass es für dich dieses Mal soviel besser war. Und so flott, wow! Ich habe meinen dritten Sohn auch im Vierfüßlerstand geboren und das ganz ähnlich wie du empfunden. Alles Liebe für deine Familie und dich. Liebste Grüße, Melanie

    1. Sassi
      Sassi

      Liebe Mel, vielen Dank. Es heißt ja immer, die 2. Geburt verläuft schneller, aber das war echt rasant. Ich kam gar nicht hinterher. Ich empfand den Vierfüßler für die Wehen toll. Und ich konnte so schön ins Kopfende beißen. Öhöm. Der Daumen meines Mannes war darum sehr dankbar. Aus Gründen. ;-) Liebe Grüße

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    Hanna

    Das hört sich nach einer guten Erfahrung an und ich liegt jetzt hier auf der Couch, drüben ein 1jähriger, der endlich einigermaßen gut schläft und in mir kommt so was wie Wehmut oder auch ein wenig Neid hoch ;) Verrückt. Ich wünsche euch, wie gesagt, ein wunderbares Leben zu viert und freue mich, dass es der Prinzessin gut geht!

    1. Sassi
      Sassi

      Ja, es war einmalig. Und ich bin dankbar, dass es so lief. Diese Wehmut kenne ich. Wie ihr ja mitverfolgen konntet, kamen die ernsthaften Gedanken an eine Wiederholung des Ganzen als der Kleine so 13 Monate alt war und sich manches endlich etwas entspannte. Und er wurde so groß und rums fehlte mir ein Baby. So sind die Mamas...immer hin und her zwischen Freude und Stolz über die Entwicklung und Wehmut, weil alles so schnell geht. Danke für die guten Wünsche. Wir kommen an. Bisher sogar wirklich halbwegs entspannt und erfolgreich. *aufholzklopf* Liebste Grüße und schön, dass der Sohnemann besser schläft. Wir hatten während der Eingewöhnung auch nochmal so eine katastrophale Schlafphase. Meine liebste Tagesomi meinte, dass erlebt sie immer wieder. Das ist einfach aufregend für die Kleinen und sie müssen jede Menge neuer Eindrücke verarbeiten. Das spielt sich dann ein. Bei uns war das so. ?

  3. Avatar
    Svenja

    Herzlichen Glückwunsch Sassi und alles Gute für deine Familie!

    1. Sassi
      Sassi

      Liebe Svenja, ganz lieben Dank für die Wünsche. Ich freue mich auf die kommende Zeit. Beste Grüße, Sassi

  4. Avatar
    Wiebke (Verflixter Alltag)

    Oh hatte ich Dir schon gratuliert? Herzlichen Glückwunsch. Wie schön, dass es so schnell ging. Und schön, dass Du Deinen Beitrag bei mir als #Herzpost verlinkt hast. <3 Ich wünsche Dir eine schöne erste Zeit mit Baby! LG Wiebke

    1. Sassi
      Sassi

      Liebe Wiebke, mhm, im Geiste hast du sicher gratuliert. :-) Auf jeden Fall lieben Dank. Wir genießen. Tatsächlich sogar. Liebste Grüße, Sassi

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