“Ein Junge weint nicht…”

Der im Folgenden zitierte Liedtext stammt von Gerhard Schöne (Ein Junge weint nicht).

Ein Junge weint nicht. Ein Junge beißt

sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt.

Das musst du wohl noch lernen.

Er will nicht zur Krippe gehen,
er ist ja noch so müde,
er träumt noch beim Zähneputzen.
Die Mutter wird laut.

Er soll bitte nicht so trödeln.
Es ist gleich Viertel sieben!
Und fängt er jetzt an zu heulen,
kann sein, dass sie haut!

Mein Schatz, nicht immer bin ich geduldig genug. Manchmal muss ich uns hetzen. Bin gestresst. Und auch wenn ich das versuche zu verbergen, spürst du es genau. Hauen würde ich nie. Vertrau darauf. Aber ein paar Mal wurde ich lauter. Und habe mich danach miserabel gefühlt. Du hast meine Entschuldigung stets angenommen. Und die paar zusätzlichen Kuschelminuten genossen. Ich auch.

Er soll bunte Klötzer stapeln
und singen, wenn alle singen,
soll sich in die Reihe stellen,
bei “Los!” geht es los.

Er soll nicht so komisch hüpfen,
die Augen zur Straße richten.
Nun soll er doch nicht gleich weinen.
Du bist doch schon groß.

Mein Goldmenschlein, lasse dich nie zwingen. Entfalte dich. Manche Regeln sind wichtig. Sie müssen sein. Aber die wirst du selbst erkennen und sicher akzeptieren. Denn du verstehst. Bitte hüpfe so viel du magst. Träum dich in ferne Welten. Ersinne den größten Quatsch. Lausche still und leise und singe, wenn dir danach ist. Bau die höchsten Türme. Verlier dich in Gedanken. Gestalte Luftschlösser. Und berührt dich etwas, egal ob schön oder traurig, dann zeige das. Mit Tränen. Mit Lachen.

Er wird bald zur Schule kommen
und spielt noch mit seiner Puppe.
Du bist doch kein Mädchen, Junge!
Es hat keinen Zweck!

Dabei hat er einen Bagger
und einen Plastikpanzer,
der ist sogar ferngesteuert.
Die Puppe muss weg.

Mein Zauberkind, es ist deine Zeit. Dein Kindsein. Lass dich von dem begleiten, was dir wichtig ist. Puppen, Steine, Bücher. Du bist du. Dein ist dein.

Die Neue in der Klasse
hat klare, große Augen.
Er hat schon mit ihr gesprochen.
Die Jungs haben gegrölt.

Er fuhr mit ihr zum Baden,
da haben sie Schlamm geworfen
und “Weiberhengst” gerufen.
Das hat ihn gequält.

Mein Heldenjunge, sei offen. Menschen sind Menschen. Hab einen Blick für die Schwachen. Lass dich nicht lenken. Umgib dich mit denen, die dir Kraft geben. Dich stark machen. Und alle anderen Stimmen lass leise werden. Sie können dir nichts anhaben. Meine Stimme für dich wird immer die lauteste sein. Alles übertönen, wenn es sein muss. Und sie wird stets voller Liebe sein.

Er ist ein Mann geworden,
hat selber einen Jungen,
ein zartes, blasses Bürschlein,
das träumt und spinnt.
Neulich sah er ihn weinen
um eine tote Katze.
Da hat er ihn hergenommen
und sagte dem Kind:

Ein Junge weint nicht, ein Junge beißt
sich auf die Zunge, auch wenn das Herz reißt.
Das musst du wohl noch lernen…

Mein Herz, eines Tages hast du vielleicht selbst Kinder. Und dann hoffe ich, dass ich dir alles mitgeben konnte. Verständnis, Respekt, Zeit, Freiraum, Nähe und all mein Gefühl. Damit du sie ebenso wachsen lassen kannst. Ohne elterliche Altlasten, ohne Päckchen.

Träume.

Lache.

Weine.

Liebe.

Sei frei und lebe.

Deine Mama.

Kommentare

  1. Avatar
    Melanie

    Mitten ins Herz! Und irgendwie hab ich da auch was im Auge... Danke!

    1. Sassi
      Sassi

      Ja, ich hab gehört, er Pollenflug sei im Dezember ja besonders arg. :-)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.