5 Monate zu Viert

Am Sonntag wurde das Finchen 5 Monate alt. Die Zeit rast. Und doch auch wieder nicht, denn wenn ich mir anschaue, was in dieser Zeit alles passiert ist, dann wirkt es wie eine kleine Ewigkeit. Ist es wohl auch.

5 Monate sind wir nun schon zu Viert. Seit 5 Monaten bin ich zweifache Mama. Seit 5 Monaten muss ich zwei Kindern gerecht werden. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass ich das im Grunde gut meistere. An manchen eher nicht. So ist das. Kennt wohl jeder. Aber wie ist es denn nun so bei uns? Ein paar Worte dazu. Vielleicht auch ein paar mehr…

Der Puck

…ist ein ganz wunderbarer großer Bruder. Das mal gleich vorweg. In den ersten Wochen war ihm dieses kleine Bündel, dass da einfach einzog etwas suspekt. Er wollte das Finchen nicht anfassen und zeigte sich eher desinteressiert. Aber von Tag zu Tag fand er mehr zu ihr und mittlerweile ist hier großes Kuscheln angesagt. Er fordert seine Plüschzeiten mit der kleinen Schwester regelrecht ein. Ein besonderes Juwel ist dabei der gemeinsame Mittagsschlaf. Manchmal klappt er gänzlich zusammen, manchmal schläft das Finchen nur einen Teil davon mit. Aber immerhin. Ich stille sie im Liegen in den Schlaf, während der Puck daneben liegt, sich ankuschelt und so irgendwann einschläft. Herzüberquellmoment.

Eifersuchteleien gibt es auch ab und zu. Wenn es um Aufmerksamkeit geht. Die fordert der Große nämlich derzeit sehr stark ein. Und es gibt Augenblicke, da ist er nur mittelprächtig begeistert, wenn dem Finchen auch ein wenig Aufmerksamkeit zukommt. Ich versuche, so gut es die Situation zulässt, eine Balance zu finden. Jeder bekommt seine exklusiven Phasen. Mehr geht nicht. Und an den allermeisten Tagen ist das auch absolut in Ordnung.

Die ersten Monate mit dem Finchen waren nun im Rückblick nicht so einfach. Das neue Familienmitglied, die Änderung der Familienstrukturen, das Ausfall der Tagesmutter und der heftigste Entwicklungsschub überhaupt haben den kleinen Mann wirklich schwer gebeutelt. Vor allem Letzterer brachte mich an manchen Tagen an den Rand der Verzweiflung. Ich hatte das Gefühl völlig zu verschwinden, mich gänzlich aufzuopfern, um unseren Sohn halbwegs auffangen zu können. An manchen Abenden fühlte ich mich, als wär da nichts von mir übrig, als könnte ich nichts mehr geben. Das ist keine Anklage und kein Vorwurf. Solche Zeiten und Phasen gestehe ich meinem Sohn selbstverständlich zu. Sie müssen sein und gehören dazu. Aber sie sind natürlich eine Herausforderung. Mit vielen Tränen und Lautstärke. Also seinerseits. Unsere Geduld und Zuwendung haben sich gelohnt, denn nach ca. 4 Monaten glätteten sich die Wogen zusehends. Und mein lebensfroher, energiegeladener Sonnenschein war zurück. Mit tausend neuen Wörtern. Und tausend neuen Fähigkeiten. Da muss ganz schön was losgewesen sein in seinem bezaubernden Köpfchen.

Derzeit meistert er gerade seine zweite Eingewöhnung. Unserer Tagesmutter geht es zwar wieder wirklich gut und sie wird ab dem kommenden Sommer auch wieder uneingeschränkt arbeiten können (ein Wunder), aber da kommt der Puck ja schon in den Kindergarten. Also wenn wir eine Zusage bekommen. Eigentlich plante ich, ihn bis dahin zu Hause zu lassen, aber, und man mag es glauben oder nicht, er fing an sich zu langweilen. Nachdem seine turbulente Phase überwunden war eben. Und er vermisste andere Kinder. Er ist es ja so gewohnt. Durch einen riesigen Zufall fanden wir eine Tagesmutter, die bis August ein Kind aufnehmen möchte. Lange Geschichte. Eine junge, ganz unfassbar sympathische Frau. Er soll dienstags bis donnerstags dort betreut werden. Denn meine langen Wochenenden brauche ich mit den Kindern. Wir reisen ja außerdem derzeit durch Deutschland. Letzte Woche Dienstag starteten wir. Ich blieb zwei Stunden mit ihm dort, in denen er voll Wonne mit den anderen Kindern spielte und mich kaum beachtete. Am Mittwoch sagte er zu mir, ich solle bitte mal nach Hause fahren. Da hab ich mal nicht schlecht geguckt. Also fuhr ich einkaufen. Alles verlief problemlos. Am Donnerstag und heutigen Dienstag verlief es genauso. Und ab morgen will er auf eigenen Wunsch dort schlafen und Mittag essen. Somit wären wir dann durch. Unglaublich. Aber es bestärkt mich wieder in meinem Vertrauen in mein Kind. Er hat schon immer felsenfest und klar geäußert, was er will. Und freue mich, dass ich richtig lag mit meinem Gefühl, dass er das tatsächlich braucht. Neuen Input. Spielen mit Kindern.

Das Finchen

…ist nach wie vor ein sehr ausgeglichenes Sonnenkäferchen. Sie lacht unentwegt, hat für jeden ein Lächeln übrig. Sie weint selten. Und das heißt tatsächlich, dass manchmal Tage vergehen, ohne dass Tränen fließen. Nachts schläft sie relativ ruhig. Mal trinkt sie häufig, mal gibt es längere Schlafphasen. Aber nachdem der Große bis heute selten länger als zwei Stunden am Stück schläft, sichert das quasi ein bisschen mein Überleben.

Das Finchen wird bisher ausschließlich getragen. Ich genieße das sehr. Dem Puck war das manchmal zu eng, zu viel Kontakt. Das holt er sich erst jetzt alles. Das Tragetuch ist auch ein Garant für Schlaf. Der folgt langsam auch einem erkennbaren Rhythmus. Mit Vormittagsschläfchen, Mittagsschlaf und Nachmittagsschläfchen. Das Einschlafen abends geht meist ganz gut. Dann liegt die Kleine bei uns in der Stube im Bettchen, denn der Große, der ja bei uns schläft, wäre einfach zu unruhig. Außerdem wird die Maus meist nach so einer Stunde wieder wach. Und hängt ab da für den Rest des abends an mir. Seit 5 Monaten ist abends dauerstillen angesagt. Über Stunden manchmal. Das ist mit Schmerzen verbunden. Wen wunderts. Aber ich kenne das schon vom Großen. Das geht auch vorbei. Und bis dahin mache ich mir diese Stunden so schön wie möglich. Schaue was Schönes, tippe nebenbei (wenn’s geht), nasche was Leckeres. Sowas.

Motorisch sind wir gut dabei, würde ich meinen. Das Finchen kugelt und dreht sich in alle Richtungen. Sie greift extrem gezielt und erste Anzeichen des Pinzettengriffs sind deutlich erkennbar. Sie spielt fast ausschließlich in Bauchlage. Immer öfter kommt der Popo hoch und sie versucht sich raupenartig vorwärts zu schieben. Süß.

Wir beginnen so langsam mit der Beikost. Ein bisschen Süßkartoffel gab’s am Wochenende in die Hand. Aber auch wenn das Interesse da ist, so richtig schmecken tut’s noch nicht. Also wieder ein bisschen Pause.

 

Und ich?

Da bin ich nun also Zweifachmama. Ich liebe es Mutter zu sein. Nach all diesen Wochen hat hier jeder seinen Platz gefunden. Auch ich. Und das fühlt sich gut an. Und gibt mir Kraft für meine kommenden Aufgaben. Ich habe meinen nun mittlerweile zwei Kindern gegenüber eine große Verantwortung. Und darum arbeite ich gerade sehr intensiv an mir. War der grundlegende Vorsatz für 2017. Ein spannender und herausfordernder Weg hat begonnen. Darüber berichte ich aber nochmal gesondert.

Zusammenfassend kann ich nur sagen. Es ist gut so. So gut.

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