Ihr seid der Schlüssel

Liebe Eltern,

kennt ihr den Wunsch, das, was ihr tut, mit Hingabe und Perfektion zu erfüllen? Kennt ihr auch die Angst, dabei Fehler zu machen? Kennt ihr das Gefühl, dabei manchmal nicht zu genügen? Kennt ihr die Stimmen von außen, die euch sagen, dass ihr den falschen Weg geht, die sich die Mäuler zerreißen, die es besser wissen wollen? Spürt ihr den Druck, der auf euch lastet? Die Erwartung, dass ihr stark seid und nicht einknickt? Kennt ihr die Erfahrung, Teil eines Systems zu sein, das nur von euch fordert, euch engste Grenzen setzt, euch zu Entscheidungen zwingt, das nicht fragt, wie es euch dabei geht, das sogar einen belustigten Blick hat auf die, die aufgeben? Kennt ihr den Anspruch ein Felsen sein zu wollen, aber aus Glas zu bestehen? Kennt ihr die Erschöpfung, weil es an Unterstützung mangelt? Kennt ihr die Hoffnung, dass gesehen wird, was ihr tut? Kennt ihr das Bestreben nach Anerkennung, Wertschätzung und Respekt? Kennt ihr die Verletzung, wenn nichts davon für euch wahr wird? Wenn nur gefordert aber nicht gegeben wird? Kennt ihr den Anker froher Kinderaugen, die ein tiefer Lohn sind, aber auch der einzige? Kennt ihr all das?

So geht es Lehrerinnen und Lehrer. Jeden Tag.

Liebe Lehrkräfte,

kennt ihr den Wunsch, das, was ihr tut, mit Hingabe und Perfektion zu erfüllen? Kennt ihr auch die Angst, dabei Fehler zu machen? Kennt ihr das Gefühl, dabei manchmal nicht zu genügen? Kennt ihr die Stimmen von außen, die euch sagen, dass ihr den falschen Weg geht, die sich die Mäuler zerreißen, die es besser wissen wollen? Und so sehr ihr darüber stehen wollt, sie treffen euch doch. Spürt ihr den Druck, der auf euch lastet? Die Erwartung, dass ihr stark seid und nicht einknickt? Kennt ihr die Erfahrung, Teil eines Systems zu sein, das nur von euch fordert, euch engste Grenzen setzt, euch zu Entscheidungen zwingt, das nicht fragt, wie es euch dabei geht, das sogar einen belustigten Blick hat auf die, die aufgeben? Kennt ihr den Anspruch ein Felsen sein zu wollen, aber aus Glas zu bestehen? Kennt ihr die Erschöpfung, weil es an Unterstützung mangelt? Kennt ihr die Hoffnung, dass gesehen wird, was ihr tut? Kennt ihr das Bestreben nach Anerkennung, Wertschätzung und Respekt? Kennt ihr die Verletzung, wenn nichts davon für euch wahr wird? Wenn nur gefordert aber nicht gegeben wird? Kennt ihr den Anker froher Kinderaugen, die ein tiefer Lohn sind, aber auch der einzige? Kennt ihr all das?

So geht es Eltern. Jeden Tag.

Ihr steht auf der gleichen Seite.

Und da seid ihr nun. Sitzt euch gegenüber. Ausgelaugt und erschöpft. Mit großen Idealen im Herzen. Und wollt nur das Beste. Da sitzt ihr. Lauernd in Verteidigungshaltung. Wartend auf den nächsten Hieb, die nächste Kritik, den nächsten Vorwurf, die nächste Anfeindung, die euer schlechtes Gewissen füttert. Da sitzt ihr, wie in der heißen Mittagssonne des Westens. Euch gegenüber und wartet darauf, wer zuerst schießt. Und dann wird es ein Kampf um Schuld und Verantwortung. Und am Ende ist nichts gewonnen. Steht ihr wieder am Anfang. Mit Wut und Enttäuschung. Versagensängsten und dem Gefühl, dass euch niemand sieht. Ohne Anerkennung, ohne Wertschätzung. Denn ihr trefft nicht den Feind. Ihr trefft die Falschen. Ihr trefft Verbündete.

Elterngespräche wie diese sah und hörte ich oft. Viel zu oft.

Liebe Eltern, liebe Lehrkräfte,

in diesen unseren Systemen, in denen so vieles nicht gut läuft, ist unsere Zusammenarbeit eine der letzten Inseln, die uns bleibt. Eine der letzten Chancen auf Zuspruch und Achtung. Ihr seid euch näher als ihr denkt. Brecht aus aus diesem Teufelskreis. Ihr müsst so viel leisten, habt die höchsten und wunderbarsten Ziele und seid doch oft nur Zielscheibe. Kämpft nicht an falscher Stelle.

Ihr kennt euch. Wechselt einen Moment die Perspektive. Dann seht ihr schnell, sie ist kaum anders. Darum habt einen freundlichen Blick. Einer muss sich trauen, den ersten Schritt zu gehen. Und nicht die erste Kugel abzufeuern.

Liebe Eltern,

ich habe das gewagt. Schon viele Male. Und es hat sich gelohnt. Immer.

Ich legte ein Elterngespräch auf abends um halb Neun. Wenn auch noch zu kinderlosen Zeiten. Der Vater einer meiner Schülerinnen war Soldat in einer speziellen Einheit und er war pro Jahr nur wenige Wochen zu Hause. An diesem Tag reiste er an und konnte aufgrund des späten Termins zum ersten Mal an einem Elterngespräch teilnehmen. Das hat ihm sehr viel bedeutet. Hat seinem schlechten Gewissen ein wenig die Stirn geboten. Das ermöglich zu haben, war ein tolles Gefühl. Das war Dankbarkeit. Auch wenn ich an diesem Abend spät zu Hause war.

Ich habe meinen höchsten Respekt vor euch alleinerziehenden Müttern und Vätern. Ich weiß um die Rücksicht, auf die ihr angewiesen seid. Und ich weiß auch, dass sie oft fehlt. Also führe ich also abendliche Telefonate. Wenn die Kinder im Bett sind. Was sind schon diese paar Abende? Für mich ist diese Hilfe so leicht möglich und für mein Gegenüber bedeuten sie so viel Respekt und Verständnis. Das ist Dankbarkeit und Achtung.

Oft schreibe ich Euch. Nicht nur dann, wenn etwas vorfällt oder etwas besprochen werden muss. Nein, auch dann, wenn ich Schönes beobachte. Meilensteine vermelden kann. Wenn ich Herzmomenten beiwohne, von denen ihr erfahren sollt.

Ich beginne jedes Gespräch mit freundlichen Worten, mit guten Worten. Denn das habt ihr verdient. Zu selten hört ihr sie. Und bisher kommt viel zurück. Entspannte und echte Dialoge. Mit offenen Worten, vernünftigen Fragen, mit Reflexion. Danke.

Und da sitzt ihr nun. Euch gegenüber. Und habt die Chance es anders sein zu lassen. Auf dieser einen Insel. Denn ihr kennt ihn beide. Den Wunsch, das, was ihr tut mit Hingabe und Perfektion zu erfüllen. Und ihr kennt sie beide. Die Enttäuschung, wenn da keine Wertschätzung ist.

Nun ist es an euch. Ihr seid der Schlüssel.

Kommentare

  1. blossa

    wow!!!! so wahr. so gut geschrieben. ich finde mich als Mutter und Lehrerin genau darin wieder und danke dir tausendfach für diesen einfühlsamen Bericht. ja.. man kann hoffen.. aber den ersten Schritt kann man immer nur selbst machen. . egal wo. hätte mein Kind dich als Lehrerin, ich wäre so dankbar.

  2. Sassi
    Sassi

    Liebe blossa, vielen Dank! Es könnte alles wirklich ein bisschen einfacher sein, wenn wir nicht gegeneinander kämpfen würden. Das System ist anstrengend genug. Ich bin trotz all der heutigen Herausforderungen mit Leib und Seele Lehrerin und es ist das Schönste zu hören, dass es noch mehr Herzblutlehrer gibt! ❤

  3. Aless

    Liebe Sassi, danke, für diese Worte. Bis jetzt musste/durfte ich in meinem jungen Lehrerleben noch kein Elterngespräch führen. Ich hoffe jedoch, dass ich auf Eltern stoße, die die Botschaft dieser Zeilen verinnerlicht haben, oder bereit sind, sie zu verinnerlichen. Und ich hoffe, dass ich mich nicht in die "Zurückschießen"-Ecke drängen lasse, wenn Eltern versuchen mich als Feind zu stilisieren. Viele Grüße

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