Die Romantikkiste

Romantik, Zweisamkeit, Exklusivität, Paarzeit.

Dinge, die man ab der Geburt eines gemeinsamen Kindes vermeintlich in einer große Kiste verstaut, um Selbiger ein hübsches Plätzchen auf dem Dachboden zu suchen. Dort steht sie dann und wartet. Auf andere Zeiten. Auf das Heranwachsen der Kinder, auf Feierabende, auf Omas und Opas, auf Babysitter. Sie wartet geduldig. Neben anderen Kisten, die unter anderem Aufschriften tragen wie „passt mir bestimmt irgendwann wieder“ oder „Sportschuhe, die ich eines Tages nochmal trage“.

Ja, da steht die Romantikkiste und langweilt sich. Ab und an öffnet sich die Dachluke und ihre Besitzer steigen langsam die schmalen Treppenstufen hinauf. Müde sehen sie aus. Müde, aber glücklich. Kein Grund zur Sorge. Die Kiste wartet gespannt, hofft ein wenig und versucht besonders verlockend auszusehen. Aber ihre Heimatmenschen beachten sie nicht. Sie tapsen vor sich hinbrabbelnd zur Kiste „Größe 74“, klemmen sich diese unter den Arm und lassen an dessen Stelle einen Karton mit der Aufschrift „Größe 68“ zurück. Beim Vorbeigehen, so könnte die Romantikkiste schwören, war da ein Blick. Der Blick ihrer Besitzer, ein Blick voller Seufzer und Vorfreude. Irgendwann.

Die elterliche Romantikkiste

Frühlingserwachen

Eines Tages, in einer Art Frühlingswimmeln, da fällt der Besitzerin die Kiste wieder ein. Sie schleicht sich auf den Dachboden, greift sich den Karton und öffnet ihn sachte. Und da sind sie, all die Dinge, die sie vor ein paar Monaten hier verstaut hatten. „Wieder mehr davon“, denkt die Frau, nimmt ein paar der Kerzen hinaus und betrachtet sie eine Weile. Was ist mit der Zweisamkeit? Was ist mit dem Paar, das sie waren, bevor sie Eltern wurden? Was ist mit der Romantik? Die Frau verschließt die Kiste, aber ein paar der Kerzen und ein bisschen Sehnsucht nimmt sie mit hinunter.

In den nächsten Tagen beobachtet die junge Frau genau. Sich und ihn. Und sie sieht.

Sie sieht…

*…zwei Menschen im Bett und zwei Hände die sich halten, während ein Baby friedlich darunter schläft

*…zwei müde Gesichter, die sich dann und wann anlächeln. Mit Liebe und Stolz.

*…Essen vom Lieferdienst, das gemeinsam zum Festmahl wird.

*…ein kleines Nachtlicht, das das Zimmer in ein ebenso friedliches Licht tauchen, wie es Kerzen tun.

*…ein Kaffeedate auf der Bank auf dem Spielplatz.

*…kleine Nachrichten auf dem Handy.

*…Streicheleien. Seltener als früher. Aber das Feuer ist das Gleiche.

*…so viele Gesten. So viele Momente. Oft kurz und eher klein. Aber fortwährend. Wirkend, auch wenn sie anderen großen Momenten, die jetzt viel den kleinsten Menschen gelten, den Vortritt lassen.

Sie hört…

*…neue, große Worte. „Beste Mutter“, „wundervoller Vater“, „unser Sohn“, „unsere Tochter“, „du machst das toll“.

*…flüsternde Gespräche. Manchmal auch im Morgengrauen. Anders jetzt, aber noch immer intensiv.

*…Streit und Versöhnung und Vertrautheit.

Die Frau muss lächeln. Es ist gut. Die Romantik, sie ist geblieben, sie hat nur ein neues Gewand. Da ist noch Zweisamkeit. Da sind noch Gespräche und Liebe und Nähe. Alles hat seine Zeit. Die gemeinsamen Abende kommen wieder Stück für Stück. Aber sie mischen sich mit Abenden voller Kinderlachen und Familie.

Das ist Leben. Voll von Veränderung. Manches wird zur Erinnerung, aufbewahrt auf dem Dachboden, aber im Herzen dabei, manches kommt wieder, kehrt zurück, wird aus der Kiste gekramt und holt sich seinen Platz erneut. Manches ist neu. Kommt hinzu, verändert das Bild. Manchmal still und leise, manchmal mit Pauken und Trompeten. Das ist Leben.

 

(Und in Kürze dann ein exklusiver Einblick in unsere Romantikkiste. Mit weniger Poesie, mehr Augenzwinkern, aber genauso viel Wahrheit.)

Kommentare

  1. Svenja

    Danke für diese Worte!

    1. Sassi
      Sassi

      <3

  2. Melanie

    So ähnliches ist es hier! Wer sagt denn, dass während der Zweisamkeit nicht weitere Menschen(skinder) anwesend sein können ;-) ein guter Weg, wie ich finde. Und vielleicht das Wichtigste! Ein Liebespaar bleiben. Mittendrin. In diesem schönen Familienwahnsinn ❤ Liebste Grüße, Melanie

    1. Sassi
      Sassi

      Ich finde auch, dass Romantik viele Gesichter hat. Und Kleinkinderelternromantik ist eben eine sehr eigene. Man muss sie nur auch weiterhin erkennen oder sich manchmal doch ganz bewusst darauf konzentrieren, dass es sie gibt oder dass sie entstehen kann. ❤

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.