Lernentwicklungsgespräche

In meiner 4. Podcastfolge spreche ich über gelingende Elterngespräche und mache mich gleichzeitig stark für Gespräche, die, wann immer es möglich ist, gemeinsam mit dem Kind stattfinden.

Warum befürworte ich das?

Letztlich dreht sich das Schulleben um den Lernweg der Kinder und Jugendlichen. Es geht um ihre Entwicklungsprozesse. Sie sind, wenn man so will, die Hauptpersonen. Daher erscheint es mir nur allzu logisch, sie an jeder Stelle erstmal grundlegend einzubinden. Wenn ich an meine eigene dreizehnjährige Schulzeit zurückdenke, dann gab es da nur ein einziges Gespräch ÜBER MEINE Entwicklung, Lernstände und Fortschritte, an dem ich auch beteiligt war. Der Rest fand hinter verschlossenen Türen zwischen meinen Eltern und meinen Lehrkräften statt. Und ich weiß noch, wie nervös man war, weil man schlichtweg Angst hatte vor dem, was dabei besprochen wurde. Absurd, wenn man es mal bedenkt.

Außerdem finde ich gemeinsame Gespräche so wichtig, weil es alle Beteiligten dazu zwingt, sich Gedanken um Formulierungen zu machen. Wenn ich erzähle, dass meine Schüler*innen bis auf sehr wenige Ausnahmen bei Gesprächen anwesend sind, dann ist die erste Frage meist:

„Ja, aber wie soll ich denn frei über das Kind sprechen, wenn es dabei ist?“

Es ist ein wunderbarer Moment, um mal zu reflektieren, warum das Kind das Gespräch über sich seinen Lernweg nicht hören darf. Wie hat man denn vor zu formulieren? Wie ist das Gespräch denn gefärbt? Was hat man vor zu sagen, was nicht für Kinderohren gemacht ist? Und damit verbunden die Frage: Sind diese Art der Sprache und die Inhalte dann für das Gespräch mit Eltern eventuell auch nicht der beste Weg? Das Einbinden von Kindern hat mich jedenfalls enorm nach vorne gebracht, achtsamer zu sprechen und mir genau zu überlegen, wie ich kommunizieren möchte und wie ich eventuelle Probleme und Entwicklungsfelder gut rüberbringe. Gleiches erlebe ich auf Elternseite.

Natürlich wird es weiterhin auch Gesprächsmomente geben, die bewusst nur unter Eltern und Lehrkräften stattfinden. Zum Beispiel, wenn man vertraulich besprechen möchte, dass sich eine Familiensituation ändern wird. Aber bei gewöhnlichen Lernentwicklungsgesprächen oder auch Gesprächen, bei denen es darum geht akute Situationen gemeinsam zu bearbeiten, finde ich es unheimlich bereichernd, das Gespräch gemeinsam mit dem Kind zu führen.

Wie laufen diese Gespräche ab?

Die Einladung ist vorrangig an das Kind adressiert. Und auch im Gespräch ist das Kind Hauptadressat*in. Denn ein Gespräch zwischen Eltern und Lehrkraft, bei dem das Kind nur daneben sitzt und zuhören muss, wie über es gesprochen wird, ist sicherlich sehr unangenehm und auch nicht ratsam.

Ich spreche also das Kind an. Das ist die Kernkommunikation. Und an geeigneter Stelle binden wir die Eltern ein. Wenn ich mit dem Kind zum Beispiel ein Projekt reflektiere, dann erklären wir den Sorgeberechtigten nochmal kurz, worum es dabei ging. Oder bitten Eltern noch um einen guten Tipp, wenn wir an einem Lösungsansatz sitzen.

In einigen Bundesländern gibt es Vorgaben bezüglich Protokollbögen. Die muss ich dann natürlich nutzen. Zusätzlich visualisiere ich die Entwicklung gern auf einem eigenen Bogen für die Kinder. Dieser Bogen zeigt auch gut den Ablauf des Gespräches.

Lernentwicklungsbogen zum Ausdrucken

Diesen Bogen möchte ich euch als Anregung zur Verfügung stellen. Ihr könnt ihn direkt so nutzen oder euch einen eigenen Bogen entwerfen und diese Punkte als Inspiration nutzen.

Wie fülle ich ihn gemeinsam mit dem Kind? Ein Beispiel

Das kann ich sicher:

  • das 2er und das 5er-Einmaleins
  • unser Herbstlied singen
  • eine Vorwärtsrolle
  • Silbenklatschen
  • alle Pokemonnamen (hier dürfen gerne auch Sachen von zu Hause eingebunden werden, für Eltern und Kinder ein wunderbares Gefühl und ein ganzheitlicher Blick)

Hier möchte ich weiter lernen und wachsen:

  • in den Zeilen zu schreiben
  • weniger reinzurufen, sondern meinen Mitschüler*innen Zeit zum Antworten geben

Dazu brauche ich:

  • das Wissen, dass Frau Niechzial mich sieht (Geheimzeichen)
  • die Gewissheit, dass ich regelmäßig drankomme

Ich schaffe das, weil…

  • ich auch schon so viel anderes gelernt habe.
  • mein Freund mir hilft.
  • weil ich mein Zeichen mit Frau Niechzial habe.

Mein Mutmach-Spruch

  • Ich bin stark genug.

Eine Einladung zu einem Lernentwicklungsgespräch findest du hier.

Ich wünsche euch viel Freude mit dem Material

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